Selten wurde ein Plattentitel präziser gewählt als auf dem dritten Album des Quartetts hilde mit Violinistin Julia Brüssel, Sängerin Marie Daniels, Posaunistin Maria Trautmann und Cellistin Emily Wittbrodt. Das ganze Album scheint aus der inspiriertesten Form von Timbre ersonnen. Wobei Timbre in diesem Fall nicht bedeutet, dass es hier nur um Beiwerk ginge. Im Gegenteil, die vier jungen Klangkünstlerinnen sind Meisterinnen der Verwandlung, bei der es kaum noch darauf ankommt, wer mit welchen Mitteln welchen Sound beisteuert. Mit ihren kollektiven Schwebezuständen entwerfen sie einen Klostergarten, der einem futuristischen Mittelalter entstammen könnte. Ideen verdichten sich wie ätherische Schleier in einem sanften Wind, der in kurzen Momenten auch mal zum Tornado werden kann, um sich sofort wieder zu beruhigen. Vom ersten Song an machen sie deutlich, dass sie mit Möglichkeiten spielen, die zunächst wie von einer höheren Macht gesetzt wirken und doch nur eine von unzähligen Versionen sind, dieses Album zu organisieren. Diese postklassische Suite lädt zum subliminalen Weiterhören ein, bei dem der Hörer selbst zum Komponisten, Arrangeur und Ausführenden wird. Welch ein Geschenk.
Text
Fred Frommer
Ausgabe
, Jazz thing 164
Veröffentlicht am 16. Jul 2026 um 07:58 Uhr unter Reviews