Nachdem das Leipziger Improv-Trio MOTUSNEU sein letztes Album „War der Clown gar nicht echt?“ mit dem Posaunisten Steve Swell einspielte, folgt nun eine Kooperation mit der Akkordeonistin Susanne Stock. Der Titel verweist auf die Balgbewegung ihres Instruments, vergleichbar mit der Bogenbewegung bei Streichern. Tatsächlich legten die vier Musker/-innen im Studio so viel Balgweg zurück, dass sie das Resultat auf zwei (kurze) Alben aufteilten. Teil 1 eröffnet mit dem Titel „Aufbruch“ bewegt und vielstimmig und gibt Stock Gelegenheit, ihr Instrument auf das atonale Ausdruckspektrum des Trios – Tenorsaxofon, Schlagzeug und Bass – einzustimmen. In weiteren Stücken begibt sich die Musik auch an den Rand der Stille und immer wieder in den Bereich des reinen Geräuschs, wo Rascheln, Kratzen, Klopfen, Klappern und die asthmatische Atmung des Balgs interessanteste Klangmixturen ergeben. Externe Effektgeräte kommen nicht zum Einsatz. Teil 2 beginnt dicht, intensiv, und was die Verschmelzung von vier Klangkörpern zu einem organischen Ganzen betrifft: besonders erfolgreich. Der Wandermetaphorik der Stücktitel folgend, erreicht die Gruppe den „Gipfel“, wo die Musik Wind, dünne Luft und weite Aussicht evoziert, bevor die Wandernden im finalen Stück „Fliegenpilz“ wieder geräuschvoll bergab stolpern.
Text
Eric Mandel
Ausgabe
, Jazz thing 164
Veröffentlicht am 23. Jul 2026 um 07:58 Uhr unter Reviews