Man ist verleitet, Rückschlüsse von der Landschaft auf die Musik zu ziehen. Denn Island ist eine karge Gegend, man vermutet dort ebensolche Menschen, und Ómar Guðjónsson ist tatsächlich ein Gitarrist mit fortgeschrittenem, schrulligem Humor. Denn sein Album „210″ klingt ein wenig nach weltentrücktem Country-Folk, nach Musik, die entsteht, wenn man sich mit schrägen Vögeln aus der Nachbarschaft in langen Nächten zur Session trifft oder melancholisch Polarlichter beim Flirren beobachtet. Dabei hat der Pedal-Steel-Gitarrist neben seinen isländischen Freunden auch den Karlsruher Rockschlagzeuger Tommy Baldu an seiner Seite, mit dem er seit einem guten Jahrzehnt unten anderem in Projekten wie Roforofo zusammenarbeitet. Das hindert die in der Tendenz introvertierte Musik aber nicht daran, klanglich in den Weiten zwischen imaginärem Amerika und dem Blues des Nordens zu schweben. Und das ist auf verschmitzte Weise auch ein besonderer Spaß, denn man ahnt die Ironie, die zwischen den Tönen des Alternative-Country-Sounds hindurchscheint.
Text
Ralf Dombrowski
Ausgabe
, Jazz thing 162
Veröffentlicht am 23. Feb 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews