In diesem avantgardistischen Duoalbum steckt lupenreiner Pop. Miles Perkin, als Deutschkanadier schon mit hochkarätigen Americana-Bands unterwegs, und Johanna Borchert, ein Critics Darling spätestens seit ihrem brillanten „FM Biography“, entwickelten ihr gemeinsames Album in Improsessions zwischen Berlin und Kopenhagen. Es scheint, als würden die beiden sich für allzu Eingängiges schämen. Erst muss ein bisschen Arbeit investiert werden, bevor betörende Melodien und sanfter zweistimmiger Gesang die Ausdauer belohnen. Im Titelsong sind zunächst gar anderthalb Minuten markerschütternd verzerrte Drums zu überstehen. „The Match“ wird mit zunehmender Spieldauer zugänglicher. Der zarteste Song, die sonnenaufgangsweiche Pianoballade „Just As I Was Told“, beschließt das Album. Der Gesang wurde in Perkins Wohnzimmer aufgenommen, die Vertrautheit zahlt sich aus; sacht verfremdete Kammermusik mit Bass, Klavier und Synthies. Könnte auch ein Publikumsliebling werden – mit mehr Mut zum Pop?
Text
Jan Paersch
Ausgabe
, Jazz thing 163
Veröffentlicht am 18. Mai 2026 um 07:59 Uhr unter Reviews