Michael Villmow

Da Pacem

(Hey!blau Records/merchbox.bandcamp.com)

Michael Villmow – Da Pacem (Cover)Michael Villmows dreisätziger Choral „Da Pacem“ war ein Auftragswerk für die Greifswalder Bachwoche 2008. Acht Jahre später griff der in Köln lebende Komponist diesen Choral erneut auf, schrieb weitere, an Kirchenmusik angelehnte Chorstücke und nahm mit der Cappella Amsterdam plus Jazzmusikern dieses Album im Kulturzentrum Orgelpark, einer ehemaligen Kirche, in Amsterdam auf. Entstanden ist ein Werk sakraler Musik, das einerseits in der weit zurückreichenden Tradition der Ein- und Mehrstimmigkeit der Kirchenlieder verwurzelt ist, andererseits zeitgenössische, aktuelle Improvisationsmusik harmonisch einzubinden versteht. Mit Bedacht wählte Villmow die seinen Chorälen zugrunde liegenden Texte aus – etwa das Franz von Assisi zugeschriebene Friedensgebet für den der CD den Titel gebenden Choral. In diesem Choral zeigt sich Villmows ganze gestalterische Kraft und Kreativität, wenn er zum Beispiel im ersten Teil des einleitenden Satzes „Pacem, Fred, Shalom, Peace“ mit dem sonoren, klagenden Ton des norwegischen Tenorsaxofonisten Bendik Hofseths die Spur auslegen lässt für die anschließende Rezitation des Wortes „Frieden“ in mehreren Sprachen durch den Chor. Damit schafft er nicht nur die Verbindung zwischen der expressiven Emotionalität der improvisierten Musik und der sakralen Spiritualität des kirchlichen Chorals, sondern bringt vor allem das Identitäts- und Sinnstiftende beider Komponenten zum Ausdruck, wie es für die Menschheit heute wichtiger denn je ist.

Text
Martin Laurentius
, Jazz thing 138

Veröffentlicht am unter Reviews

Jazztage Dresden 2022