Les McCann

Never A Dull Moment

(Resonance/Harmonia Mundi)

Les McCann – Never A Dull Moment (Cover)Nein, Langeweile gab es wirklich nie bei dem am 29. Dezember vergangenen Jahres gestorbenen Les McCann. Weshalb die Editoren einer bislang unveröffentlichten Werkschau des Pianisten und Vokalisten anlässlich seines 88. Geburtstages auch diesen Titel wählten. Und wieder, wie bei allen Preziosen, die Musikarchäologe Zev Feldman ausgräbt, ist daraus eine Schatztruhe mit proppenvollem Booklet und prominenten Liner-Notes geworden, im aktuellen Fall Quincy Jones, Roberta Flack, Bonnie Raitt oder Monty Alexander. Sie alle bewundern den Mann, der den Groove im Jazz salonfähig machte. Auf drei CDs im Trioformat – die ersten beiden von Anfang 1966 in Seattle – lässt sich beim genauen Hinhören eine Entwicklung erkennen. Anfangs schien der Einfluss Oscar Petersons allgegenwärtig, den McCann versuchte sowohl in puncto Fingergeläufigkeit wie Spannungsaufbau zu übertrumpfen. Eineinhalb Jahre später im New Yorker Village Vanguard forderte er den nächsten Konkurrenten zum imaginären Duell heraus: Ramsey Lewis. Er und Peterson standen auf der In-Skala dieser Zeit weit oben. Erst langsam sollte sich daraus der unverwechselbare Les-McCann-Stil mit dem Megahit „Compared To What“ entwickeln. Was vielleicht eine weitere Reise mit der Zeitmaschine lohnen würde.

Text
Reinhard Köchl
, Jazz thing 152

Veröffentlicht am unter Reviews

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