ELBJAZZ 2018

Horacee Arnold

Tribe / Tales Of The Exonerated Flea

(Jazz Secrets/Indigo)

Horacee Arnold - Tribe / Tales Of The Exonerated FleaTrotz seiner Kooperationen mit Paul Bley, Hugh Masekela, Archie Shepp oder Kenny Burrell erlangte der Schlagzeuger aus Kentucky nie die Popularität solcher Kollegen wie Tony Williams oder Billy Cobham. Ähnlich wie diese nahm Arnold auf seinen jetzt wiederveröffentlichten Alben aus den Jahren 1973 und ‚74 die neuen Strömungen auf, verwob Jazz mit Rock und Ethno-Sounds. Damit landete auch Arnold unweigerlich in der Fusion-Schublade. Doch dieses Etikett beschreibt die Musik seiner zwei einzigen Solo-Veröffentlichungen nur unzureichend. „Tribe“ bietet tatsächlich Stammesmusik, ausschließlich akustische Musik einer Gemeinschaft, die sich hier hörbar aufeinander verlassen konnte. Instrumentalisten wie Joe Farrell, Ralph Towner oder David Friedman, damals relativ neu auf der Szene, waren Mitglieder. Sie beherrschten die Techniken des Jazz, gaben aber dem Genre mit frischen Ideen neue Impulse, die sich bei ihnen zu einem oft frei improvisierten Spiritual-Jazz mit Wurzeln im Bebop verdichteten, wie ihn in den 1970ern unter anderem das Label Strata East publizierte. Als Reminiszenz an die Zeit mit Chick Corea spielte Arnold am Ende von „Tribe“ dessen Klassiker „500 Miles High“ in einer ungemein melodischen Version. Für „Tales Of The Exonerated Flea“ erhielt Arnold von seinem damaligen Label Columbia ein größeres Budget, konnte nun elf bekannte Musiker für seinen multikulturellen Jazz engagieren, darunter Jan Hammer, Sonny Fortune, John Abercrombie, Dom Um Romao und Art Webb. Einem Alchemisten gleich gelang es dem Schlagzeuger zusammen mit dem ebenfalls sehr präsenten Keyboarder Hammer einen extrem dichten Soundcocktail zu kreieren. Auch hier ist Arnold mehr dem Jazz, aber in Momenten auch dem Rock verbunden, wie ihn beispielsweise das damals ebenfalls im progressiven Jazz tätige Mahavishnu Orchestra pflegte. Den besonderen Charme dieser sieben Kompositionen schuf der Schlagzeuger aber durch afrikanische Polyrhythmen, die über seinen inspirierten Melodien fließen. Eine Wiederentdeckung!

Text
Olaf Maikopf
, Jazz thing 89

Veröffentlicht am unter Reviews
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