Gianluigi Trovesi / Stefano Montanari

Stravaganze Consonanti

(ECM/Universal)

Gianluigi Trovesi / Stefano Montanari – Stravaganze Consonanti (Cover)Es sind immer wieder gewagte Grenzgänge, die das Mögliche und Machbare fahrlässig außer Acht lassen. Warum eigentlich? Weil die Protagonisten des Jazz und der Klassik zwar stets versuchen, rege miteinander zu kommunizieren, dafür aber stets ihr ureigenes Vokabular verwenden, bei dem allenfalls Herleitungen möglich sind. Da bedarf es schon Musiker wie den Klarinettisten und Saxofonisten Gianluigi Trovesi, um solche Blockaden des Denkens zu überwinden. Der 79-jährige Maestro setzt mit „Stravaganze Consonanti“ („Wunderlicher Gleichklang“), einer Kollaboration mit dem Dirigenten und Barockviolinisten Stefano Mantanari sowie einem klassischen Ensemble, seinen 2008 mit „Prufumo Di Violetta“ eingeschlagenen Weg fort. Dabei erfasst er im Handumdrehen die Kraft und Raffinesse der Noten, die von Komponisten der Renaissance und des Barocks wie Henry Purcell, Guillaume Dufay oder Josquin Desprez direkt beim Jazz münden. Trovesis Verdienst im Austausch mit Violinen, Bratschen, Oboen, Fagotten, Cembalo und Erzlaute liegt darin, nie die tiefere Bedeutung der vielfältigen musikalischen Gewebe zu verletzen, selbst wenn Fulvio Maras elektronische Akzente beisteuert.

Text
Reinhard Köchl
, Jazz thing 148

Veröffentlicht am unter Reviews

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