Chick Corea

Forever Yours: The Farewell Performance

Candid Records/H'Art

Chick Corea – Forever Yours: The Farewell Performance (Cover)Als Chick Corea ging, ließ er die Tür hinter sich leise ins Schloss fallen. Seine Fans hatten kaum Gelegenheit, Abschied zu nehmen. Das wird jetzt auf diesem wundervollen Farewell-Konzertmitschnitt nachgeholt. Nicht alle Soloalben von Corea waren große Würfe, doch dieser spezielle Moment, dieses Abschiednehmen ist so inspiriert wie selten. Beim Zuhören kann einem schon mal der Atem stocken. Wusste der Pianist in dieser Situation wirklich, dass auf der anderen Seite der Tür der Tod auf ihn wartete? Sein Spiel ist von jener behänden Lebendigkeit beseelt, die auch seine Jugendwerke auszeichnete. Jeder seiner zehn Finger ist ein Storyteller, und es ist ein Genuss, ihnen vom ersten bis zum letzten Ton zu folgen. Inspiriert und konzentriert spielt er sich durch sein Gesamtwerk, verneigt sich vor Monk, Mozart und Stevie Wonder und verschwendet dabei keine einzige Note. Am Ende erklingen noch einmal sechs seiner berühmten „Children Songs“, die mit zum Besten gehören, was jemals an Minimal Music geschrieben wurde. Ein Kreis schließt sich, und wir können Chick Corea endlich gehen lassen.
Wolf Kampmann (161)

Im Oktober 2020 gab der damals 79-jährige Chick Corea zwei Solokonzerte in der Ruth Eckerd Hall in Clearwater, Florida. Vier Monate vor seinem Tod sind dies die beiden letzten Konzerte des Pianisten, die aufgenommen wurden. Zwei Abende mit seinen Kompositionen wie „Armando’s Rhumba“ oder seinen „Children’s Songs“, Jazzstandards von Komponisten wie Thelonious Monk und Duke Ellington, aber auch Mozart und Stevie Wonder und improvisierten „Portrait“-Stücken, die aus dem Moment heraus als Porträt einer Person aus dem Publikum entstanden. Fünf Jahre später werden diese letzten Aufnahmen jetzt von Candid Records veröffentlicht. Die Liner Notes enthalten Botschaften von Freunden und Weggefährten wie Herbie Hancock, Bobby McFerrin oder Lang Lang. Coreas Stimme ist bei seinen Ansagen zwischen den Stücken zu hören. Berührend.

Maxi Broecking (163)

Text
Wolf Kampmann, Maxi Broecking
, Jazz thing 161

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