ELBJAZZ 2018

Aldo Romano

Inner Smile

(Dreyfus/Soulfood)

Aldo Romano - Inner SmileEtwa fünf, zehn Sekunden, dann kann man Aldo Romanos inneres Lächeln auf dem Cover-Foto tatsächlich erkennen. Zwar blickt der Doge des europäischen Jazz-Schlagzeugs auf den ersten Eindruck ziemlich ernst drein. Angesichts einer Besetzung mit dem häufig unterschätzten Pianisten Baptiste Trotignon, dem Bassisten Thomas Bramerie und vor allem seinem Landsmann Enrico Rava an der Trompete könnte dies aber eher auf äußerste Konzentration schließen lassen, eine solche Chance nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. In der Tat besitzt das Interplay der vier die Qualität eines musikalischen Organismus, gerade wegen der Heterogenität des Materials. Bop-Themen reihen sich an italienische Canzoni („E Si Sogna“), freiere Themen („Kind Of Autumn“) sowie ein selbstironisches Piano-Solo namens „Where Is Aldo?“. Mal übernimmt Trotignon die spielerische Ausformung der fließenden Melodien, mal zeichnet Rava seine weichen, warmen Linien in die Luft, wobei sich der graue Wolf diesmal nur auf das Allernötigste an Gestaltungsmitteln beschränkt. Allemal perfekt dosiert, um ein hinreißendes Porträt einer Generation von Musikern entstehen zu lassen, die ihre Profession noch als Abenteuer verstand. Romano, der die gesamte Palette des modernen Drummings auf seinem Set bündelt, ist 70, Rava 68. Das perfekte Alter für innere Ruhe und Zufriedenheit. Vor allem nach einem kleinen Geniestreich wie diesem.

Text
Reinhard Köchl
, Jazz thing 91

Veröffentlicht am unter Reviews
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