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Das Geheimnis eines gutes Filmes? Natürlich die Musik! Egal ob Thriller, Literaturverfilmung oder Fantasymovie: Wer die passenden Klänge dafür findet, der schafft wirklich großes Kino. Mit derselben Strategie will nun auch Sebastian Sternal einen Blockbuster landen. Wenn der Pianist aus Mainz mit Wohnsitz in Köln komponiert und spielt, dann laufen vor seinem geistigen Auge bewegte Bilder ab. Auch ein Novum: Der erste imaginäre Soundtrack in der „Jazz thing Next Generation“-Reihe.

Sebastian Sternal Trio - Eins

Ein Bett wäre die bessere Alternative. Hier unten in diesem Kellergewölbe, nachts um kurz nach Zwei, passieren jetzt wahrscheinlich nur noch Dinge, die man nicht unbedingt haben muss. Nigel Kennedy hält mit starker Schlagseite Hof, ein Teil der Gäste plappert lautstark, während dem Rest allmählich die Augen zufallen. Möglicherweise verlaufen die Sessions bei der Burghausener Jazzwoche bis auf wenige Ausnahmen (Kennedy) immer so. An diesem frühen Donnerstagmorgen jedoch gibt es endlich wieder einen Hallowach-Effekt, der den tieferen Sinn dieser Musiker-Hahnenkämpfe in Erinnerung ruft. Irgendwo im Off kauert der Pianist der Maxime Bender Group, die tags zuvor einem achtbaren dritten Platz beim ersten Europäischen Nachwuchs-Jazzpreis belegte, auf einem Hocker und bindet inmitten dieser surrealen Jam-, Bier- und Erschlaffungsatmosphäre ein matt funkelndes, enorm facettenreiches Bouquet aus romantischen Linien, das sich perfekt der aktuellen Stimmung anpasst, aber definitiv anders klingt als alle vorhersehbaren Plagiate seiner Alterskollegen.

„Burghausen war schon nett“, sagt Sebastian Sternal ein paar Tage später höflich. Will heißen: „Wenn ich spiele, spiele ich.“ Dann kann ihn nichts mehr stören, keine äußeren Einflüsse, keine Tageszeiten. Dann taucht der 28. Held der „Jazz thing Next Generation“-Reihe tief in sein Universum der 88 Tasten ein, beginnt schwerelos darin zu gleiten und eigene ästhetische Parameter zu definieren. Alles fließt. Wie in einem Film verbinden sich Handlungsstränge, ebben Spannungsbögen auf und ab, entstehen Atempausen und dramatische Momente. „Schon mit Zehn hat mich das Kino gefesselt“, erklärt Sebastian seine Herangehensweise.

„Vor allem bei Stephen Spielberg fiel mir auf, welch immensen Anteil der Soundtrack am Gelingen eines Streifen wie E. T. oder Jurassic Park haben kann.“ Hinter den Kassenschlagern steckte vor allem ein Name: John Williams. Der legendäre Filmkomponist faszinierte den jungen Burschen im höchsten Maße. „Es war diese Art zu schreiben, einfach zu sein, ohne simpel zu klingen. Klare Strukturen, die jeder versteht, aber die auch eine Tür in eine andere Dimension öffnen.“ Bei einem Festival in Tanglewood lernte er sein großes Idol vor drei Jahren sogar persönlich kennen. Von Schauspielern, sagt der bekennende Cineast, der auch schon für die Münchner Bavaria-Film komponierte, könnten Musiker überhaupt eine ganze Menge lernen. Effekte, Dramaturgie, den Ablauf ordnen, eine eigene Kontur. Und nicht zuletzt: „Wie wirke ich auf die Leute.“

Vielleicht gehört auch der ständige Blick über den Tellerrand dazu. Klar, dass der 26-Jährige bei seinen Einflüssen Herbie Hancock, Wayne Shorter, Brad Mehldau oder Bill Evans aufführt. Im selben Atemzug reiht er jedoch Namen wie Sting, Maurice Ravel, Claude Debussy, Igor Strawinsky, Felix Mendelssohn, Johannes Brahms, Joni Mitchell, Franz Kafka, Woody Allen, Harrison Ford, Cary Grant, Alfred Hitchcock, die Beatles oder Billy Joel aneinander. Ein inspirierendes Netzwerk aus Klassik, Pop und Kino, das sich dieser bemerkenswerte Indiana Jones auf der Suche nach dem Heiligen Gral der Pianistik da im Laufe der Jahre erschlossen hat. Natürlich liefert es die entscheidenden Impulse für „Eins“ (Double Moon/SunnyMoon), mit der sein Trio um Sebastian Klose (Bass) und Axel Pape (Drums) nun auf CD debütiert. „Wir sind tatsächlich eins. Eine echte Band eben.“ Existierend seit inzwischen sechs Jahren. So etwas generiert Vertrauen, erzeugt fruchtbare Interaktion und lässt Wahrheit reifen. „Ein echter Glücksfall!“, bilanziert der gebürtige Mainzer in druckreifem Hochdeutsch ohne jedwede Dialektscharte euphorisch.

Mainz bleibt Mainz. Nicht unbedingt, wie es singt und lacht, sondern einfach nur als Refugium für den mittlerweile vielbeschäftigten Berufsmusiker, der regelmäßig im Bundesjugendjazzorchester unterrichtet, 2007 den WDR-Jazzpreis gewann und noch eine ganze Menge anderer Projekte am Laufen hat. Deshalb lohnt es sich, ab und an wie ehedem E.T. nach Hause zu telefonieren und zurückzukommen. „Vor allem, damit ich dort komponieren kann. Anderswo klappt das nur bedingt, weil dort so viel auf einen einstürzt. Ich schätze die Ruhe bei meinen Eltern mehr als alles andere.“ Natürlich wollte er wie jedes flügge gewordene Menschlein irgendwann nur noch weg aus dem Mief der pfälzischen Provinz, hinaus in die große, weite Welt. Zuerst nach Köln an die Musikhochschule, wo ihn John Taylor („Von ihm habe ich diesen Hang zum Abenteuer: Einfach losgehen und nicht wissen, was passiert.“) und Hubert Nuss studienhalber unter ihre Fittiche nahmen, wo sich Chancen auftaten, von Leuten wie Martin Sasse, Rob Madna, Frank Chastenier oder Kevin Hays Unterricht zu bekommen, wo ein bis dato unbekanntes Talent wie er mit etablierten Jazzgrößen wie Dee Dee Bridgewater, John Riley, John Ruocco oder Mike Richmond spielen durfte. Dann Konzertreisen mit dem BuJazzO in die USA, nach Polen, Rumänien, Albanien, Namibia und Südafrika. Schließlich Paris, die Stadt nicht nur seiner Träume. Bis September 2008 schlug Sebastian an der Seine seine Zelte auf, um Komposition zu studieren. Nun lebt er wieder in Köln, das Mainz in vielen Dingen gleicht: Beide Städte liegen am Rhein, besitzen einen Dom und gelten als Karnevalshochburgen. „Bei der Mentalität der Menschen merkt man das schon. Die sind lockerer, offener, nicht nur in der fünften Jahreszeit. In Sachen Jazz hat Köln aber eindeutig die Nase vorn.“

So reift eines der hoffnungsvollsten deutschen Pianotalente in einem fruchtbaren Wechselspiel aus Anspannung und Entspannung, Beruf und Privatleben, traditioneller Trioschule und neuen Ideen. Perfekt für Sebastian Sternal, diesen gewitzten Regisseur des Klangs, der mit seinem persönlichen Stil längst an einem Blockbuster bastelt: Ein Quantum Jazz. Und noch eine ganze Menge mehr.

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