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Jazz thing Next Generation Vol. 15

Mit einer zweifachen Premiere wird das dritte Jahr der Reihe „Jazz thing – Next Generation“ abgeschlossen: Zum ersten Mal ist eine Formation aus Österreich mit dabei. Und dann legt das Helbock-Dietrich-Vogel Trio mit „Celebrating Modern Genius“ ein richtiges, wenn auch ungewöhnliches Konzept-Album vor.

HDV Trio - Celebrating Modern Genius

Seit geraumer Zeit ist bei Jazz-Piano-Trios aus Europa die Tendenz zu beobachten, dass man sich von der klassischen Rollenverteilung mit Klavier spielendem Leader und einer begleitenden Rhythmusgruppe verabschiedet. Diesem Prinzip von gleichberechtigt agierenden Partnern hat sich auch „Jazz thing – next generation“-Act Nr. 15, das Helbock-Dietrich-Vogel Trio (kurz: HDV Trio), verschrieben – was dann für die Verabredung zum Telefoninterview kleinere Organisationsschwierigkeiten zur Folge hatte. Denn weil es bei den drei jungen österreichischen Musikern keinen Bandleader gibt, wollten auch alle drei beim Gespräch mit dabei sein. Dafür musste zusätzlich ein Telefon mit Freisprechmöglichkeit organisiert werden. Und weil man sich fast den ganzen September über gemeinsam in New York aufhalten wollte, wurde dann auch noch die Zeit knapp, um dieses Interview überhaupt noch vor der Abreise von David Helbock (Piano), Lucas Dietrich (Bass) und Marc Vogel (Drums) führen zu können.

Diese Schwierigkeiten ließen sich aber glücklicherweise beseitigen. Und das Gespräch begann dann auch mit der Frage, ob sich die drei Österreicher von ihrer New-York-Reise eine Vertiefung der gruppendynamischen Prozesse innerhalb ihres Trios versprechen. „Es ist ja schon üblich, dass einzelne Jazzmusiker aus Europa für kürzere oder längere Zeit in New York sind“, so Marc Vogels Antwort. „Aber dass ein Trio gemeinsam dorthin fährt, das gab es meiner Meinung nach noch nicht.“ Und David Helbock ruft ins Telefon: „Bildungsurlaub! Auch wenn wir keine Workshops oder Einzelunterricht geplant haben. Wir wollen nämlich prüfen, was dort drüben auf der Szene los ist, um dann vielleicht für uns zu entscheiden, ob man nicht irgendwann mal für länger rübergeht.“

Mit „Celebrating Modern Genius“ (Double Moon/sunny moon) haben die drei ihr Debütalbum überschrieben. Doch verbirgt sich dahinter mehr als nur ein bloßer CD-Titel. Helbock, Dietrich und Vogel haben seit der Gründung ihres Trios im Jahr 2005 ein Repertoire von Stücken erarbeitet, mit dem sie wichtige Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts feiern wollen. „Ich bin schon immer ein Konzeptkünstler gewesen. Für mich ist es wichtig, dass es einen roten Faden gibt, der sich durch unsere CD, aber auch durch unser gesamtes Programm zieht“, sagt Pianist Hellbock. „Ich bin nämlich der Überzeugung, dass ein Konzept in der Musik keine Einschränkung bedeutet. Ganz im Gegenteil: Es erlaubt einem, viel kreativer zu arbeiten.“

Das Bandbook des HDV Trios ist in den rund anderthalb Jahren seit der Gründung auf mittlerweile mehr als 30 Stücke angewachsen. Darunter gibt es solche, die sich konkret mit Musikern und Komponisten auseinander setzen – aus dem Jazz, aber auch aus der zeitgenössischen Avantgarde und der Neuen Musik. Und mehr noch: Mit den Kompositionen wollen die drei jungen Musiker vor allem für sie maßgebliche Künstler, Wissenschaftler, Philosophen und Denker ehren, sodass in ihrer Titelzusammenstellung neben Thelonious Monk, Mario Pavone, John Cage und Béla Bartók eben auch Namen wie etwa Georg Iwanowitsch Gurdjieff, Albert Einstein, Ernesto „Che“ Guevara, Salvador Dali, Frida Kahlo und der österreichische Fußballer Hans Krankl gelistet sind.

Die Auswahl für die Liste mit „Genies“, denen die drei mit ihrer Musik Denkmäler setzen, ist natürlich subjektiv gewesen. Denn es geht Hellbock, Dietrich und Vogel auch darum, die Menschen vorzustellen, die für ihre jeweils eigene Biografie wichtig waren. „Mit unserem Programm „Celebrating Modern Genius“ ehren wir die Persönlichkeiten, die uns faszinieren und mit denen wir uns schon seit längerem beschäftigen“, so Hellbock. „Es liegt ja in der Natur eines Konzepts wie dem unseren, dass man damit Missverständnisse provoziert“, merkt Dietrich an. „Für uns ist es aber auch wichtig, dass man zum Beispiel über ein dem russischen Esoteriker und Denker Gurdjieff gewidmetes Stück in eine Diskussion über dessen Werk und Wirken einsteigt.“ Und dieser Wunsch umfasst nicht nur das HDV Trio selbst, sondern bezieht sich natürlich auch auf die Hörer und CD-Käufer von „Celebrating Modern Genius“.

Verpackt haben die drei ihr Konzept in ein diffiziles Gebinde aus Modern Jazz, spannend auf den Punkt improvisiert. Direkte, konkrete Bezüge zum Schaffen der vom HDV Trio geehrten Persönlichkeiten gibt es zwar, doch sind sie zu eng in das Spiel der drei eingebunden, um sofort gehört werden zu können. „Wenn ich für das Trio komponiere, dann ist mir von vornherein klar, wem ich welches Stück zuordnen will“, so Hellbock, aus dessen Feder ein großer Teil der Titel stammt. Und Marc Vogel stellt fest: „In Zeiten von Norah Jones und anderen braucht es halt Alternativen, andere, kreativere Konzepte.“

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