SWR NEWJazz Meeting: Camila Nebbia

Camila NebbiaCamila NebbiaBei seiner Premiere 1966 hieß dieses Treffen noch SWF Free Jazz Meeting, 1973 nannte es der damalige Jazzredakteur des Südwestfunks, Joachim-Ernst Berendt, in SWF New Jazz Meeting um. Doch die ursprüngliche Intention, regelmäßig Improvisationskünstler:innen aus aller Welt nach Baden-Baden einzuladen und sie einige Tage lang wie in einem Versuchslabor an der Musik arbeiten zu lassen, wurde beibehalten. In den zurückliegenden sechs Jahrzehnten nahmen unter anderem Albert Mangelsdorff, das Art Ensemble of Chicago, Don Cherry, Irène Schweizer, Norma Winstone, Anthony Braxton, Django Bates, Joachim Kühn, Sylvie Courvoisier, Rabih Abou-Khalil, Steve Lacy, George Lewis, Ikue Mori, Ingrid Laubrock oder Melissa Aldana an einem dieser Meetings teil. Seit acht Jahren wird das SWR NEWJazz Meeting als Biennale ausgetragen, zuletzt wurden der Bassist Lukas Kranzelbinder 2018, die Vibrafonistin Sasha Berliner 2021 (wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben), der Pianist Micah Thomas 2022 und der Bassist Pascal Niggenkemper 2024 als Kurator:innen benannt.

Kürzlich gab die SWR-Jazzredaktion die diesjährige künstlerische Leiterin bekannt: die argentinische, in Berlin lebende Saxofonistin, Komponistin und Videokünstlerin Camila Nebbia. 1987 in der Buenos Aires geboren, studierte Nebbia klassisches und Jazzsaxofon und entdeckte die Musik des Free-Jazz-Pioniers Ornette Coleman ebenso wie Aufnahmen ihres Landsmannes Gato Barbieri. 2020 zog sie nach Europa, wo sie sich mit zeitgenössischer Performancekunst und elektronischer Musik beschäftigte, bevor sie 2022 nach Berlin zog, wo sie Teil der internationalen Improv-Szene wurde. Ihre Musik ist oftmals radikal im Ausdruck, sie erstreckt sich dynamisch weit von eruptiven, lauten Passagen bis hinab zu leisen, fast unhörbaren Momenten. Aller Geräuschhaftigkeit in ihrem Spiel auf dem Tenorsaxofon zum Trotz besitzt ihr Sound stets einen melodischen Duktus. Auslöser für ihr Schaffen sind gerne Gedichte unterschiedlicher Lyriker:innen, in ihrer Musik setzt sie sich oftmals mit Themen wie Identitätssuche in der Diaspora auseinander, ihre Konzerte inszeniert sie auch als audiovisuelle Aufführungen, deren Klang- und Bildebenen gleichermaßen aufeinander reagieren wie sie sich kontrastieren.

So will Nebbia auch ihr SWR NEWJazz Meeting anlegen. Mit einem international besetzten Quintett (unter anderem mit der Pianistin Marta Warelis und der Harfenistin Kathrin Pechlof) wird sie zusammen mit dem Visual-Artist Andro Manzoni ihre Komposition „only the stones along the path told me the truth of reality“ vom 5. bis 9. Oktober im SWR-Studio Freiburg als ein Werk über Vergänglichkeit und Migration einstudieren. Seine Premiere hat Nebbias Stück dann am 10. Oktober im Rahmen von Enjoy Jazz im Kulturzentrum dasHaus in Ludwigshafen, eine weitere Aufführung gibt es am 11. Oktober in der Manufaktur in Schorndorf.

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SWR NEWJazz Meeting

Text
Martin Laurentius
Foto
Dovile Sermokas

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