Gestorben: Glen Hansard

Glen HansardGlen HansardAm 29. Juli ist der irische Musiker Glen Hansard südlich von Dublin bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt. Viele von uns haben ihn mit seiner langen roten Lockenmähne zum ersten Mal wahrgenommen, als er den Rhythmusgitarrist der Band The Commitments (1991) im gleichnamigen Film von Alan Parker spielte. Schon mit 17 hatte der Schulabbrecher die Rockband The Frames gegründet, die in Irland bis in die Nullerjahre Erfolg hatte. Anschließend an die Frames-Ära gründete Hansard mit der tschechischen Musikerin Markéta Irglová das Duo The Swell Season. Ihre – auch private – Partnerschaft wurde autobiografisches Thema in der Straßenmusiker-Romanze „Once“, ein gigantischer internationaler Kinoerfolg. Für den Song „Falling Slowly“ aus dem Film erhielt Hansard einen Oscar.

Ab 2012 verfolgte Hansard eine Solokarriere: Auf fünf Platten verband er seine soulig-bluesige Grundtendenz mit feinsten folkigen Songwriting-Künsten und grandiosen Rock-Ausbrüchen zu einer fantastischen Klangsprache. Dabei entwickelte er auch seine vokalen Qualitäten weiter, ein Timbre voller bärbeißiger Verletzlichkeit. Hansard sang von geografischer und gefühlsmäßiger Rastlosigkeit, vom Hoffen auf Herzwärme für alle Enttäuschten, vom Heilen durch Zeit für alle Geduldigen. Und das manchmal mit Spott und sanftem Sarkasmus, viel öfter aber mit tiefem Mitgefühl, etwa in seinem Magnum Opus aller Zeiten, dem Song „My Little Ruin“, seine Hymne auf einen Freund, der einfach immer wieder zuverlässig in Schlamassel gerät, zu finden auf dem zweiten Werk „Didn’t He Ramble“ (2016 für einen Grammy nominiert). Ein weiterer großartiger Hit war „Heart‘s Not In It“ auf dem Nachfolgealbum „Between Two Shores“.

Neben seinen Soloalben schrieb Hansard einen Song für den Soundtrack zu „Die Tribute von Panem“, nahm 2022 ein Lied mit ukrainischen Flüchtlingen auf und sang 2025 bei der Beerdigung von Pogues-Bandleader Shane MacGowan. In Deutschland erinnert man sich an viele seiner Konzertauftritte, unter anderem an ein berührendes Finalkonzert auf dem Rudolstadt Festival 2016. Wenige Songwriter fanden so treffende und poetische Worte für das, was ein Mann fühlt, wenn er auf dem Abstellgleis der Gefühle darbt, wie dieser ein wenig aus der Zeit gefallene irische Soulbarde. Umso tragischer ist Hansards Unfalltod mit 56 Jahren, da er 2022 spätes Familienglück gefunden hatte. Er hinterlässt seine Frau, die finnische Dichterin Maire Saaritsa, und einen dreijährigen Sohn.

Weiterführende Links
Glen Hansard

Text
Stefan Franzen
Foto
Sven-Sebastian Sajak/CC BY-SA 3.0

Veröffentlicht am unter News

Bezau Beatz 2026