Gestorben: Glen Hansard

Ab 2012 verfolgte Hansard eine Solokarriere: Auf fünf Platten verband er seine soulig-bluesige Grundtendenz mit feinsten folkigen Songwriting-Künsten und grandiosen Rock-Ausbrüchen zu einer fantastischen Klangsprache. Dabei entwickelte er auch seine vokalen Qualitäten weiter, ein Timbre voller bärbeißiger Verletzlichkeit. Hansard sang von geografischer und gefühlsmäßiger Rastlosigkeit, vom Hoffen auf Herzwärme für alle Enttäuschten, vom Heilen durch Zeit für alle Geduldigen. Und das manchmal mit Spott und sanftem Sarkasmus, viel öfter aber mit tiefem Mitgefühl, etwa in seinem Magnum Opus aller Zeiten, dem Song „My Little Ruin“, seine Hymne auf einen Freund, der einfach immer wieder zuverlässig in Schlamassel gerät, zu finden auf dem zweiten Werk „Didn’t He Ramble“ (2016 für einen Grammy nominiert). Ein weiterer großartiger Hit war „Heart‘s Not In It“ auf dem Nachfolgealbum „Between Two Shores“.
Neben seinen Soloalben schrieb Hansard einen Song für den Soundtrack zu „Die Tribute von Panem“, nahm 2022 ein Lied mit ukrainischen Flüchtlingen auf und sang 2025 bei der Beerdigung von Pogues-Bandleader Shane MacGowan. In Deutschland erinnert man sich an viele seiner Konzertauftritte, unter anderem an ein berührendes Finalkonzert auf dem Rudolstadt Festival 2016. Wenige Songwriter fanden so treffende und poetische Worte für das, was ein Mann fühlt, wenn er auf dem Abstellgleis der Gefühle darbt, wie dieser ein wenig aus der Zeit gefallene irische Soulbarde. Umso tragischer ist Hansards Unfalltod mit 56 Jahren, da er 2022 spätes Familienglück gefunden hatte. Er hinterlässt seine Frau, die finnische Dichterin Maire Saaritsa, und einen dreijährigen Sohn.
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