Avishai CohenAvishai Cohen

In den vergangenen Jahren hat der israelische Bassist Avishai Cohen oft mit Stimmen gearbeitet. Auf seiner neuen Piano-Trio-CD „Arvoles“ (Rykodisc/Warner) gibt es diesmal aber keinen Gesang. Ungeachtet dieser Tatsache klingen die Stücke dennoch mehr nach Songs als zuvor. Die Imagination von Stimmen ergibt sich aus den Instrumenten; der Bass oder das Piano selbst scheinen Texte zu flüstern. „Manchmal habe ich das Gefühl, Musik ohne Worte kann mehr Worte haben als Musik mit Worten“, erzählte Cohen unserem Autor Wolf Kampmann. „Unser Spiel ist sehr lyrisch. Ich wollte von Anfang an Songs schreiben. Manches mag in meiner Musik anmuten, als käme es aus der Klassik, aber die Liedform ist mir wichtig. Die größten klassischen Komponisten haben sich von Volksliedern inspirieren lassen. Ich will mich beim Schreiben von Musik nicht allzu weit von mir selbst entfernen, sondern Spaß an der Musik haben. Mein größter Wunsch besteht darin, dass meine Musik zu anderen Menschen spricht. Wir improvisieren ja sowieso über sie, machen sie abstrakter, denn wir sind Jazzmusiker. Aber je einfacher die Melodien sind, desto besser erreichen wir die Menschen.“

Cohen ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im Geschäft, international berühmt machte ihn seine langjährge Zusammenarbeit im Trio von Chick Corea in den 1990ern. Heute muss er aber längst nicht mehr beweisen, dass er sein Instrument beherrscht. Es geht ihm nicht mehr darum, seinem Bass so viel Raum wie möglich zu geben. Sein Viersaiter drängt sich im kohäsiven Zusammenspiel mit Noam David (Drums) und Elchin Shirinov (Piano) kaum noch als Einzelquelle in den Vordergrund. Überhaupt wirken die Instrumente mehr wie Kanäle, über die der Fluss der Musik ermöglicht wird. Ende September und Anfang Dezember ist Cohen mit seinem Trio für jeweils drei Termine in Deutschland zu hören (s. ontour). Für das Konzert im Kammermusiksaal der Philharmonie in Berlin am 27. September verlosen wir ein mal zwei Eintrittskarten: Schickt uns bis zum 24. September eine Mail an redaktion@jazzthing.de – mit einem kurzen Kommentar über unsere wöchentlichen Jazz thing News. Viel Erfolg!

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Avishai Cohen

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Foto
Andreas Terlaak

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