Michael SagmeisterMichael SagmeisterAls Junge musste sich Michael Sagmeister entscheiden, ob er Profi-Fussballer oder -Gitarrist werden wollte. Talent-Scouts waren auf den jungen, wieselflinken Stürmer aufmerksam geworden, hatten ihn schon zu einem Probetraining für Kickers Offenbach eingeladen. Doch der damals Zehnjährige hatte andere Pläne: Gitarrist wollte er werden, so einer wie diejenigen, die damals allgegenwärtig waren: Hendrix, Clapton oder Blackmore. Sagmeister wuchs als uneheliches Kind bei seinen Großeltern auf, in Goldstein, einem typischen Arbeiterviertel in Frankfurt am Main. Viel Geld war nicht im Haus, der Junge musste also sparen und tricksen, um sich sein erstes Instrument zu kaufen. Nachdem ihm das gelungen war, übte Sagmeister wie besessen Gitarre, entdeckte den zu der Zeit populär werdenden Jazz-Rock und eiferte beispielsweise John McLauglin und Larry Coryell nach, ohne aber die Altvorderen der modernen Jazzgitarre wie etwa Wes Montgomery außer acht zu lassen.

Irgendwann betrat er das „Guitar Center“ von Peter Coura und Volker Kriegel in Frankfurt, wo sich ihm ein Gitarrenhimmel öffnete. Er begann, in Couras Laden zu jobben, spielte in einem Hinterzimmer auf verschiedenen, vor allem hochwertigen und teuren E-Gitarren und wurde vom Wiesbadener Gitarristen Kriegel unter die Fittiche genommen. Der Rest ist bekannt: Nach seiner Bühnenpremiere vor größerem Publikum 1976 beim Hofheimer Jazzfest als Sub in der Band Sounds gründete er 1978 sein eigenes Trio, mit dem er im Jahr darauf das von Kriegel produzierte Debütalbum auf Mood Records veröffentlichte. Seitdem hat Sagmeister mehr als 20 Alben unter eigenem Namen herausgebracht, sich international einen Namen als versierter, hochvirtuoser Gitarrist im Grenzbereich von Jazz, Rock und Blues gemacht und 1999 einen Ruf als Professor für (Jazz-)Gitarre an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst erhalten.

„Michael Sagmeister ist ein faszinierender Musiker und ein herausragender Botschafter des Jazz in Hessen. Er begeistert nicht nur mit seinem virtuosen, ideenreichen Gitarrenspiel, sondern ist auch ein überzeugter Pädagoge und Vermittler – unter anderem als Professor an unserer Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Obwohl ihm die Welt offensteht und er seit Jahrzehnten eine internationale Karriere lebt, ist er seiner Heimat Hessen treu geblieben“, so Hessens Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn bei der Bekanntgabe, dass der 1959 geborene Sagmeister den diesjährigen, mit 10.000 Euro dotierten „Hessischen Jazzpreis“ bekommt. „Sagmeister wird häufig als der bedeutendste deutsche Fusion-Gitarrist bezeichnet. Diese Reduktion wird seiner großen Meisterschaft nicht gerecht, denn sein Spiel ist immer klar an jazzmusikalischen Improvisationsmustern orientiert, ganz gleich ob im Bandkontext, im Duo mit dem Pianisten Christoph Spendel oder seiner Frau, der italienischen Sängerin Antonella D‘Orio, und besonders auch in seinen aktuellen Soloarbeiten“, ist die Jury überzeugt. Preisverleihung und Preisträgerkonzert finden am 8. November im Theater Rüsselsheim statt.

Weiterführende Links
„Hessischer Jazzpreis 2019“

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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