Terri Lyne CarringtonTerri Lyne Carrington

Löwenzahn verdankt seinen Namen den zahnenden Blättern, noch bevor er zur Pusteblume wird. Dass diese Blume auf Englisch den fast noch schöneren Namen Dandelion trägt, hat französisch-lateinische Ursprünge – aus „dens leonis“ wurde „dent-de-lion“. Die Zähne dieses Tierkönigs können übrigens auch in Gelb aufs herrlichste strahlen, finden der britische Keyboarder Joe Armon-Jones vom Ezra Collective und die Soul-Alternative Georgia Anne Muldrow aus LA. Mit dabei auch Nubya Garcia, Oscar Jerome und Moses Boyd – die Crème de la Crème der Londoner Szene, excuse my French. Sampa Tembo aus Zambia ist besser als Sampa The Great bekannt. Inzwischen in Australien beheimatet, schenkt sie uns jetzt „Anyday“ mit dem New Yorker MC Whosane. Nicht weniger großartig das Trio von Reid Anderson, Dave King und Craig Taborn, das auf dem gemeinsamen Album „Golden Valley Is Now“ die Keyboard-Klänge verloren geglaubter Zeiten bevorzugt, etwa in „Hwy 1000“. Schlagzeugerin und Bürgerrechtlerin Terri Lyne Carrington veröffentlicht ein in beiden Kapazitäten hervorragendes neues Album mit ihrer Band Social Science zu der auch Gitarrist Matthew Stevens und Pianist Aaron Parks gehören. Wir hören davon „If Not Now“, was ja zum Albumtitel „Waiting Game“ passt.

Eine „early Adapterin“ von Terri Lyne war die Keyboarderin Patrice Rushen, deren fantastische Funkyness aus den Jahren 1978 bis 1984 auf einer aktuellen Zusammenstellung von Strut-Records gewürdigt wird. Chrissie Hynde war damals noch mit ihren Pretenders auf anderen musikalischen Baustellen zugange, macht sich jetzt aber mit ihrem Posaunenchor Valve Bone Woe an Klassikern zu schaffen, etwa dem BeachBoys-Stück „Caroline, No“. Auch Max Andrzejewskis Hütte interpretiert Musik, die uns ans Herz gewachsen ist, aktuell die des britischen Sängerdrummers Robert Wyatt. Eine große Freude. Man möchte sie beim Wort nehmen, wenn sie singen „Starting In The Middle Of The Day We Can Drink Our Troubles Away“. Trompeterin Jaimie Branch begrüßt Besucher ihrer Website so: „yo yo yo yo yo yo. ya found my website. thanks. now go to some shows! see you soo.“ Dass ihre Musik auch aufgenommen wirkt, beweist „Fly Or Die II“, wovon wir „Twenty-three N Mee, Jupiter Redux“ hören. Die Saxisten von Koma Saxo beglücken uns erneut mit ihre „Koma Tema“ vor und zum krönenden Abschluss gibt es ein erstes neues Stück der österreichischen Afrobeat-Schüttler Shake Stew. Ihr Titel „Grilling Crickets In A Straw Hut“ lädt eher zum Tanzen als zur kulinarischen Nachahmung ein. All das am Freitag, 4. Oktober, ab 12 Uhr Mittags im Jazz thing Mixtape auf ByteFM – mit Götz Bühler als Host.

Weiterführende Links
Playlist Jazz thing Mixtape 154
ByteFM

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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