Shake StewShake Stew

Vor sechs Jahren hat er eine Oper komponiert – ein, wie er es nennt: „tragi-eroticoisches“ Singspiel mit Namen „Muchogusto“. Damals war Lukas Kranzelbinder 24 Jahre alt und schon zu der Zeit ein kreativer Querkopf. Der Bassist schrieb eine äußerst furios-kuriose Musik für eine absurde Geschichte – die übrigens gleichfalls aus seiner Feder stammt. Es ist die Geschichte vom spanischen Frauenheld Gael Muchogusto, der das Herz jeder schönen Frau bricht, dabei ein Kauderwelsch aus Spanisch, Italienisch und Deutsch spricht, das aber niemand um ihn herum versteht. Kranzelbinders Vertonung war dann ein abstrus-kruder Mix aus Surf, Rock und Jazz mit experimenteller und elektronischer Musik.

Kranzelbinder, 1988 im österreichischen Klagenfurt in Kärnten geboren, kann aber auch ernsthaft sein. Studiert hat er in Wien und Linz, Unterricht hatte er unter anderem bei Mark Dresser, Eddie Gomez und Avishai Cohen. 2010 gründete er mit gleichaltrigen Gleichgesinnten Laub Records, als Kollektiv, um seinen Arbeitsbereich selbstverwaltend zu organisieren. Zum ersten Mal aufhorchen ließ Kranzelbinder im Trio Interzone des Trompeters Mario Rom, sein Leaderdebüt war eine Liveplatte mit seiner Band Lukas im Dorf. Sein so viriles, wuchtig klangmächtiges Spiel auf dem Kontra- und E-Bass ist unter anderem in der Surf-Jazz-Band Expressway Sketches gefragt – genauso wie sein hintergründiger Humor, der kärntnerischen und wienerischen Ursprungs ist. Seit zehn Jahren veranstaltet er sein Konzertprojekt „Almrauschen“: Jeden Sommer kraxelt Kranzelbinder mit Musikern und Publikum auf einen der Berge in Kärnten, um auf der Spitze ein Open-Air-Konzert zu geben.

Und dann ist da noch sein mit einem Trompeter (Mario Rom), zwei Saxofonisten (Clemens Salesny und Johannes Schleiermacher), zwei Schlagzeugern (Niki Dolp und Mathias Koch) und zwei Bassisten (Kranzelbinder und Manuel Mayr) außergewöhnlich besetztes Septett Shake Stew, das Kranzelbinder eigens für die Eröffnung des Jazzfestivals Saalfelden 2016 zusammengestellt hat. „Ich habe Leute gesucht und gefunden, die auf’s Ganze gehen und ihren Charakter in die Musik mitnehmen. Diese Band lebt extrem. Sie kann Emotionen entfesseln, die stärker sind, als ich es bisher bei Konzerten erlebt habe.“ Dieses Groove-Monster von Band kommt mit seiner massiven Klangwucht am 30. September in den Kölner Club Bahnhof Ehrenfeld auf unser Festival „25 Jahre Jazz thing: Alive & Kicking“. Und der erste, der Kranzelbinders Frage am Schluss seines Video-Grußes richtig beantwortet, bekommt nach dem Konzert auch noch die aktuelle CD von Shake Stew, „Rise And Rise Again“ (Traumton/Indigo) … geschenkt.

Weiterführende Links
„25 Jahre Jazz thing: Alive & Kicking“

Shake Stew @ 25 Jahre Jazz thing

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Foto
Andreas Waldschütz

Veröffentlicht am unter News