Jazzrausch Big BandJazzrausch Big Band

Vom 17. bis 31. Mai 2019 findet das zehnte Jazzfest Bonn statt. Dass dieses 2010 noch recht bescheiden begonnene Festival seine zehnte Ausgabe erleben würde, war anfangs nicht zu erwarten gewesen. Es war eher dem Zufall geschuldet, dass der in Bonn lebende Saxofonist Peter Materna damals das Jazzfest an den Start gebracht hat. Schon einige Jahre zuvor hatte er mit der Idee eines Jazzfestivals für die einstige Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland zwar durchaus Interesse in der Kulturverwaltung der Stadt Bonn geweckt. Doch so recht wollte man sich dort nicht auf das Risiko eines solchen Jazzfestivals einlassen. Man übernahm zwar die Schirmherrschaft, blieb aber bei der Frage der Förderung eher zurückhaltend. So musste Materna seine erste Jazzfest-Ausgabe vor allem mit der Unterstützung aus der Privatwirtschaft finanzieren. Dieses „Public-Private-Sponsorship“ hat bis heute Bestand, auch wenn der Anteil der öffentlichen Hand inzwischen größer geworden ist. Was durchaus dem stetig wachsenden Erfolg des Jazzfests Bonn geschuldet ist: Mittlerweile ist es ein dreiwöchiges Festival, bei dem sich in Doppelkonzerten internationale Größen mit zumeist unbekannten, noch zu entdeckenden Talenten die Bühnen in der Bundesstadt teilen.

„Die einst dreitägige Veranstaltungsreihe ist inzwischen zu einem dreiwöchigen Festival gewachsen, das mit seinem Anspruch, der vielschichtigen kreativen Jazzszene eine konzertante Bühne zu geben und die Bonner einzuladen, diese wunderbare Musik zu entdecken, fest im bundesdeutschen Veranstaltungskalender verankert ist“, so Materna. „Das Jazzfest Bonn trägt dazu bei, die Musikstadt verlässlich um eine wichtige moderne Note zu bereichern: Neben dem Thema Beethoven wird die Stadt Bonn als eine Jazzstadt wahrgenommen und geschätzt.“

Auch wenn die Pressemitteilung schreibt, dass ein Augenmerk der Jubiläumsausgabe tanzbare Grooves seien, so zeichnet der Eröffnungsabend am 17. Mai mit dem Doppelkonzert der Quartette um die junge Kontrabassistin Lisa Wulff Quartett und den Sänger Thomas Quasthoff im Bonner Opernhaus noch ein anderes Bild: mit einem Modern Jazz europäischer Prägung einerseits und einem swingenden Vocal-Jazz mit einem Repertoire aus dem „Great American Songbook“ andererseits. Doch im weiteren Verlauf des Festivals werden die Doppelkonzerte aber tanzbarer: Shake Stew, dieses siebenköpfige Groove-Monster um den Wiener Bassisten Lukas Kranzelbinder, das längst nicht mehr nur Kritiker- sondern mittlerweile auch Publikumsliebling geworden ist, trifft am 19. Mai im Pantheon auf die zwischen lyrischer Ästhetik und politischem Anspruch changierende Improvisationsmusik des Italieners Riccardo del Fra. Und am 24. Mai wird die technoide, jazzorchestrale Musik der Münchner Jazzrausch Big Band der rockenden Improvisationsmusik des Manu Katché Quartet ordentlich Beine machen – und das an einem Ort der Hochkultur in Bonn, dem Opernhaus.

Überhaupt Big Bands: Für das Konzert am 25. Mai hat sich die WDR Big Band den LowFi-Funk des Duos Knower aus Los Angeles vorgenommen, zum Abschluss des zehnten Jazzfests Bonn kommt dann die Monika Roscher Bigband aus München nach Bonn: mit einem stilistisch breit aufgefächerten Sound zwischen krachigem Indie-Rock und der swingenden Nonchalance eines Jazzorchesters. Musikalischer Höhepunkt dürfte das Konzert mit dem Julia Hülsmann Oktett am 26. Mai in der Bonner Universität im Doppel mit den Jazz-Fusion-Giganten von Yellowjackets sein. Publikumsmagnete könnten wiederum die Auftritte mit Joe Lovanos neuem Trio Tapestry und Jason Morans Klaviersolo-Konzert werden. Das komplette Programm und alle Infos gibt es auf der Jazzfest-Bonn-Site im Internet, der Kartenvorverkauf ist am 1. Dezember gestartet.

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Jazzfest Bonn

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Veröffentlicht am unter News