ELBJAZZ 2018

Pit Huber

Das Magazin einer deutschen Tageszeitung lockte kürzlich am Kiosk mit dem Titel „Wissen: Musik“. Ich nix wie hin und gekauft! Zu Hause stellte ich dann fest: 16 Seiten des Magazins handeln von Musik, die übrigen 84 von anderen essentiellen Themen wie Naturschutz, Polarforschung und Sportgeräte. Von den 16 Seiten zur Musik ist dann noch über die Hälfte von großen Schwarzweiß-Fotos besetzt. Grund genug, den Rest – offenbar die Quintessenz dessen, was es überhaupt noch über Musik zu sagen gibt – besonders aufmerksam zu lesen.
 
Das Leitmotiv des Artikels war netterweise Miles Davis‘ Live-Aufnahme von „My Funny Valentine“, Jahrgang 1964. Solche Musik spreche von „Liebe, Glück, Schmerz“ – das sagte mir noch was. Aber danach wurde es echt anspruchsvoll. Diese „großen Begriffe“, las ich da, „die in gesprochenen Sprachen zu vieldeutig sind“, würden durch Musik „viel eindeutiger vermittelt“. Also: Musik vermittelt Begriffe, Begriffe sind bekanntlich Worte, als Worte aber vieldeutig und ohne Worte plötzlich eindeutig. Der wahre Begriff ist demnach ein Nichtbegriff, Musik ist nur ein Wort, und zu begreifen gibt es eindeutig gar nichts mehr.
 
Anderes war leichter zu verstehen, aber dennoch schwer zu begreifen. Zum Beispiel, dass Musik Männchen weich macht und Weibchen scharf, wodurch sie einander ähnlicher werden und dann zum Geschlechtsverkehr übergehen: So ist das also, das Rätseln hat ein Ende. Oder dass der Sprachklang des Elternhauses die spätere Auffassung von Musik prägt: Jetzt weiß ich, wie Rap entstanden ist. Und die Quintessenz der Quintessenz: Musik war im Ursprung vielleicht „nur ein nutzlos-netter auditiver Käsekuchen“. Und ist es wohl heute noch – so wie mancher Artikel über Musik nur Käse und Quark ist. Ich mag Käsekuchen, aber ein paar fette Rosinen sollten schon drin sein.
 
Pit Huber

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