Für Maria Reich ist Fürsorge keine private Nebensache, sondern gesellschaftliche Grundlage. Auf „Care Works“ verbindet die Berliner Geigerin, Komponistin und Improvisationskünstlerin persönliche Erfahrungen von Mutterschaft, Geburt und Erschöpfung mit der Frage, warum Care-Arbeit hierzulande noch immer weitestgehend unsichtbar bleibt. Musikalisch bewegt sich Reich zwischen Jazz, improvisierter und Neuer Musik, in manchen Parts des Albums zeigen sich manchmal musiktheatralische Züge oder hat Raum für lässigen Singer/Songwriter – getragen von einem Ensemble aus Gitarre, Bass und Schlagzeug, erweitert um Streicher, Stimme und einem Care Community Choir. Besonders berührend ist „Babas Song“, in den eine Klavieraufnahme von Reichs Mutter vom Morgen der Geburt ihres Sohnes einfließt; zudem gibt es ein traditionelles tschechisches Wiegenlied der Großmutter. So wird „Care Works“ zu einer persönlichen, zugleich aber auch politischen Musik über Weitergabe, Verletzlichkeit und Veränderung. Ein Album, das sein Thema nicht illustriert, sondern aus gelebter Erfahrung entwickelt.
Text
Martin Laurentius
Ausgabe
, Jazz thing 166
Veröffentlicht am 05. Nov 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews