Buch: Cologne Songbook

Cologne Songbook Vol. 1Cologne Songbook Vol. 1Über Jahrzehnte war die Bühne eines Jazzclubs Ausbildungsstätte für Nachwuchsmusiker:innen. Sein Rüstzeug erhielt man in der Regel im Zusammenspiel mit Älteren, sein Handwerk lernte man vor allem im Austausch mit anderen. Notenblätter waren selten zu sehen, allenfalls ein kurzes Leadsheet mit dem Thema und den Akkorden gab es ab und an auf der Bühne. Jazz wurde hauptsächlich mündlich überliefert. Das änderte sich, als Anfang der 1970er-Jahre zwei Studierende am Berklee College of Music in Boston zum ersten Mal ein „Real Book“ mit Leadsheets von Jazzstandards zusammenstellten und in Umlauf brachten. Im weiteren Verlauf wurde dieses „Real Book“ mehrmals überarbeitet, ergänzt und korrigiert. Dieses „Real Book“ wurde zur Grundlage vieler Jamsessions weltweit, trug auch zur Standardisierung im Kanon des Jazz bei und wurde identitätsstiftend für viele Musiker:innen überall auf der Welt.

„Das ,Cologne Songbook Vol. 1‘ reiht sich bewusst in diese Tradition ein und setzt zugleich einen eigenen Akzent“, schreiben die vier Kölner Musiker vom Quartett Schmid’s Huhn, Stefan Karl Schmid (Saxofon), Leonard Huhn (Saxofon), Stefan Schönegg (Bass) und Fabian Arends (Drums), im Vorwort zum kürzlich erschienenen „Cologne Songbook, Vol 1. 111 Compositions by Cologne Composers“. „Ziel war es nicht, einen Kanon zu definieren oder stilistische Maßstäbe zu setzen, sondern ein vielstimmiges, offenes Bild der Kölner Jazz- und Improvisationsszene zu zeichnen: einer Szene, die seit Jahrzehnten durch außergewöhnliche stilistische Vielfalt, internationale Vernetzung und eine besondere Offenheit für improvisierte Musik geprägt ist.“

Auslöser für dieses Kölner Songbook war ein Antrag zur Ensembleförderung NRW, bei dem Schmid dieses Kompendium in den Mittelpunkt gestellt hatte. Nachdem sein Antrag von Kulturministerium in Nordrhein-Westfalen bewilligt worden war, begann der Kölner Saxofonist an der Umsetzung seines Projektes zu arbeiten. „Ich habe rund 400 Namen von Kölner Komponist:innen in einem Onlineformular zusammengestellt“, so Schmid. „Dies passierte durch Nachfragen in der Szene und unter Einbezug der Kölner Jazzkonferenz (KJK). Danach konnten alle KJK-Mitglieder online darüber abzustimmen, welche Komponist:innen ins Songbook aufgenommen werden sollen. Die 111 meist genannten Komponist:innen habe ich daraufhin angeschrieben und gebeten, eines ihrer Stückes für das Songbook einzureichen.“

Dieser demokratische und partizipative Prozess macht dieses „Cologne Songbook Vol. 1“ zu etwas Besonderem, weil es tatsächlich den Willen einer regionalen Musiker:innenszene wiedergibt und zugleich den ästhetischen Ausdruck und Anspruch dieser Szene reflektiert. Mit in der langen Liste Kölner Komponist:innen sind zum Beispiel die Namen von Reza Askari, Jakob Bänsch, Shannon Barnett, Heidi Bayer, Henning Berg, Leif Berger, Jorik Bergman, Julian Bossert, Kristina Brodersen, Jonas Burgwinkel, Hanno Busch, Elisabeth Coudoux, Claudia Döffinger, Fabian Dudek, Wolfgang Engstfeld, Hendrika Entzian, Victor Fox, Christina Fuchs, Filippa Gojo, Pablo Held, Peter Herbolzheimer, Caris Hermes, Roger Kintopf, Niels Klein, Pascal Klewer, ´Zuzana Leharová, Hans Lüdemann, Matthias Muche, Angelika Niescier, Hubert Nuss, Ulla Oster, Theresia Philipp, Manfred Schoof, Sebastian Sternal, Laura Totenhagen, Janning Trumann, Joachim Ullrich, Luise Volkmann, Mareike Wiening, Emily Wittbrot oder Rebekka Salomea Ziegler.

Dass einige Komponist:innen fehlen, ließ sich wegen der besonderen Entstehung dieses Songbooks nicht vermeiden, so Schmid: „Der demokratische Prozess und das Einbeziehen der KJK war mir wichtiger als die persönliche Meinung einzelner Personen oder gar meiner eigenen Meinung.“ Erschienen ist das „Cologne Songbook Vol. 1“ bei Melax Music, die Printversion kostet 30 und der digitale Download 25 Euro, alle Einnahmen kommen der KJK zugute. Das „Vol. 1“ im Titel zeigt, dass es noch viele weitere Komponist:innen in Köln gibt, zudem macht es Hoffnung auf einen zweiten Teil. Am 10. und 11. Dezember veranstaltet Schmid’s Huhn ein Cologne Songbook Festival im Loft im Kölner Stadtteil Ehrenfeld, bei dem sich sechs Formationen mit diesen Kölner Jazzsongs live vor Publikum auseinandersetzen.

Weiterführende Links
„Cologne Songbook Vol. 1. 111 Compositions by Cologne Composers“

Text
Martin Laurentius

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