Gestorben: René Urtreger

In den Clubs des linken Seine-Ufers von Paris wurde Urtreger zum gefragten Bebop-Pianisten und nahm 1955 mit der eigenen Gruppe das Album „Joue Bud Powell“ (Barclay) auf. Nicht zuletzt dank seiner Bekanntschaft mit dem Schlagzeuger Kenny Clarke begleitete er zahlreiche US-Musiker, die Paris besuchten, darunter Stan Getz, Sonny Stitt, Lester Young, Chet Baker und Dexter Gordon. Sein Moment für die Ewigkeit kam, als er 1957 mit Miles Davis ein (auch als Live-Album veröffentlichtes) Konzert im Pariser Olympia spielte und vier Tage später auch an den Aufnahmen an Davis‘ Soundtrack für Louis Malles Film „Fahrstuhl zum Schafott“ (Fontana) teilnahm. Der Trompeter kam ohne Noten ins Studio und entwickelte die Musik mit den Musikern an Ort und Stelle.
An einen solchen Höhepunkt konnte Urtreger nicht wieder anknüpfen, und die Wege der Avantgarde betrachtete er mit Misstrauen: „Ich bleibe den von Duke Ellington aufgestellten Grundsätzen treu: ‚It don’t mean a thing if it ain’t got that swing.‘ Ich liebe, und werde diese Herangehensweise an den Jazz immer lieben, und ich bedauere, dass diese Musik oft eine andere Richtung einschlägt.“ Er diente stattdessen in Bands von Popstars wie Serge Gainsbourg und Claude Franҫois. Erst 1985 nahm er sein erstes Solo-Album auf, auf dem er seinen Vorbildern Bud Powell und Thelonious Monk Referenz erwies. Der Albumtitel verriet, was Urtreger immer sein wollte: ein „Jazzman“ (Carlyne Music). Seine Landleute waren überschwänglicher. Sie nannten ihn „Le roi René“.





