28: Enjoy Jazz 2026

Souad MassiSouad MassiIn den zurückliegenden drei Jahren hat das Festival Enjoy Jazz sein Programm stets unter ein spezifisches Motto gestellt. „Trust“ lautete es 2023, die verschiedenen Aspekte von „Healing“ wollte man 2024 nachzeichnen und „Knowing“ war für 2025 als Motto vorgesehen. In diesem Jahr rückt man „Beauty“ in den Mittelpunkt des Festivalgeschehens. Dabei will man den verschiedenen Konnotationen von Schönheit Raum geben: sozial, moralisch, politisch, wirtschaftlich, ökologisch und natürlich kulturell. Schönheit lässt sich nicht eindeutig definieren, sie ist stets subjektiv zu erfahren und zu begreifen – nicht umsonst heißt es, dass Schönheit im Auge des Betrachters liege, es also nicht eine Schönheit per se gibt, sondern diese sich durch die Wahrnehmungen der Menschen breit ausdifferenzieren lässt. Und Schönheit bedeutet auch Macht und Machtgefälle. Denn wer festzulegen meint, was oder wer einem Schönheitsempfinden entspricht, grenzt anderes und andere aus, um auch Abhängigkeiten zu schaffen und Raum für Missbrauch zu geben.

Auch dieser definitorischen Ambivalenz des Begriffs „Beauty“ will Enjoy Jazz 2026 vom 2. Oktober bis 7. November in seinem Programm nachgehen. Man will Schönheit in der Musik feiern und ihr Raum geben, um sich entsprechend entfalten und ausbreiten zu können. Man will zeigen, dass Schönheit immer auch Vielfalt und Diversität mit sich bringt, und dass politische und kulturelle Homogenität innerhalb von Gesellschaften Stillstand oder gar Rückschritt bedeuten kann. Um dem Festivalmotto auch einen nichtmusikalischen Rahmen zu geben, haben die beiden Schauspieler:innen August Zirner und Katalin Zsigmondy im Auftrag von Enjoy Jazz einen ganzen Abend zum Thema „Beauty“ entwickelt. Zudem ist ein Radiomitschnitt im Rahmen der SWR-Sendung „Forum“ zu erleben, und die Live-Philosophie-Reihe „Sophia Club“ ist beim Festival ebenso zu Gast wie die Gruppe „Heidelberg Street Philosophy“.

Eröffnet wird Enjoy in diesem Jahr am 2. Oktober mit einem Konzert der algerischen Singer-Songwriterin Souad Massi, die mit ihren Songs eine Brücke schlägt zwischen poetischer Melancholie und politischem Anspruch und arabischen Pop, westlichen Rock, Chanson und Jazz nonchalante streift. Den Abschluss von Enjoy Jazz bestreitet diesmal am 7. November der Pianist Brad Mehldau mit einem unbegleiteten Solokonzert, in dem der US-Amerikaner ein komplettes Tableau seiner gestalterischen Ausdrucksmittel preisgeben wird, um seiner improvisierten Musik gleichermaßen emotionale Reife wie intellektuelle Tiefe zu vermitteln. Zudem setzt er damit den Schlusspunkt hinter eine Reihe von Solokonzerten in diesem Jahr: unter anderem mit einem weiteren Klaviersolokonzert mit Jason Moran, mit der französischen Flötistin und Elektronikerin Delphine Joussein, dem schwedischen E-Bassistin Björn Meyer oder der Spanierin Carme Lopéz auf dem galizischen Dudelsack. Ein weiterer Strang im Festivalprogramm wird von Sänger:innen verschiedener stilistisch-ästhetischer und geografischer Provenienz geflochten – wie zum Beispiel die Griechin Savina Annatou, die Tunesierin Lamia Bedioui, die Schweiz-Albanierin Elina Duni, oder den beiden Afroamerikaner:innen Lizz Wright und Gregory Porter. Und die zwei Centennials in diesem Jahr anlässlich der Geburtstage von John Coltrane und Miles Davis finden natürlich auch Niederschlag im Programm von Enjoy Jazz: mit dem Trompeter Theo Croker und dem Saxofonisten Isaiah Collier, deren Tribute-Konzerte erweitert werden durch Ausführungen des Musikjournalisten und Jazzforschers Ashley Kahn.

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Enjoy Jazz

Text
Martin Laurentius
Foto
Yann Orhan

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Applaus 2026