Phoenix Love ist eine Berliner Band um die Sängerin Dora Osterloh, die in viele Projekte eingebunden ist, aber viel zu selten mit ihren Möglichkeiten in den Vordergrund tritt. Mit Saxofonistin Theresia Philipp, Gitarrist Keisuke Matsuno, Bassist Simon Jermyn und Drummer Lukas Akintaya schart sie nicht nur einige der fokussiertesten Musikerpersönlichkeiten der jüngeren deutschen Jazzszene um sich, sondern findet genau jene Vollender, deren Idiom ihrer warmen, rauen Stimme ebenso gerecht wird wie ihrer Persönlichkeit. Osterloh präsentiert sich hier nicht nur als Musikerin und Sängerin, sondern lässt auch zu, dass sie hinter ihren Liedern vor allem als Mensch erkennbar wird. Die Songs changieren zwischen Jazz-Rock, balladesken Klanggedichten, freier Improvisation und hochwertigem Pop. Speziell die Troika von Gesang, Gitarre und Saxofon imaginiert nicht selten ein Dreigespann von Stimmen. „And All I Have To Give“ ist ein künstlerischer Offenbarungseid, dessen Pfosten ein weites Spektrum einrahmen, innerhalb dessen jede Form von kanonisierter Logik als unnötiger Ballast abgeworfen und der prallbunte Facettenreichtum des Lebens voller paradoxer Brüche, immanenter Neugier und zwingender Risikobereitschaft gefeiert wird.
Text
Wolf Kampmann
Ausgabe
, Jazz thing 164
Veröffentlicht am 20. Aug 2026 um 07:59 Uhr unter Reviews