Sie wollen doch bloß spielen. Ohne mehrseitige Partituren, ohne intensive Proben, ohne Last-Minute-Calls, um noch Leute zu finden, die in kurzer Zeit jede Menge neuer Musik lernen können. Manchmal greifen der Tenorsaxofonist Walter Smith III., seine Buddys Joe Sanders (Bass) und Kendrick Scott (Drums) sowie Gäste wie Branford Marsalis und Ron Carter (im herrlich hibbeligen „Casual-Lee“) viel lieber zu einem Bündel intelligenter, zeitloser Stücke, die längst Teil ihres genetischen Codes geworden sind, und legen einfach los. So funktioniert der Geist von „Twio Vol. 2″, eine Neuauflage von Smiths „Twio“-Album von 2018, das einem Wortspiel aus „Trio“ und „Two“ entspringt. Die Basis bilden ein pianoloses Saxofontrio und intuitives, kurzweiliges Interagieren. Wobei hier der Unterschied zwischen dem jüngeren Sanders und der lebenden Legende Carter mit seinen 89 (!) Jahren markant hervorsticht. Immer wenn der große Weise am Kontrabass agiert – und das ist immerhin auf der Hälfte der zehn Stücke – bewegt sich die Musik weg vom sicheren Terrain in unbekannte Gefilde, wo die großen Jungs nahezu alle harmonischen Möglichkeiten ausschöpfen können.
Text
Reinhard Köchl
Ausgabe
, Jazz thing 163
Veröffentlicht am 13. Apr 2026 um 07:58 Uhr unter Reviews