Tim Sund

Butterfly Effect

(Laika/Rough Trade)

Tim Sund – Butterfly Effect (Cover)Kann es sein, dass man, bevor überhaupt die erste Note gespielt ist, schon weiß, dass hier Großes entsteht? Allein die Tatsache, dass Tim Sund die meisten Kompositionen aus der „Mwandishi“-Phase von Herbie Hancock in mühevoller Kleinarbeit transkribieren musste, weil weder Noten noch Sheets existierten, verleiht dem Projekt eine herausragende Bedeutung. Was der Berliner Keyboarder dann mit einem Nonett, bestehend aus der Crème der Hauptstadt-Jazzszene sowie Gästen aus New York und Australien, als Ergebnis vorlegt, ist feinste Fusion ohne Patina. Mal röhrt die Band im Bigband-Drive fett groovend mit E-Gitarre, Flöte, Trompete, Saxofon und Bassposaune, dann lässt es Sund am Moog heftig fiepen, zirpen und flirren. Klar birgt die Auseinandersetzung mit einem Denkmal wie Hancock die latente Gefahr, krachend zu scheitern. Dass dem 47-Jährigen aber genau das Gegenteil gelingt, liegt auch an seiner akribischen, detailverliebten Herangehensweise. Sund verleiht bislang kaum beachteten Rohdiamanten wie „Rain Dance“ oder dem famosen „Butterfly“ Struktur und einen zeitgemäßen Glanz. Der perfekte „Butterfly Effect“.

Text
Reinhard Köchl
, Jazz thing 128

Veröffentlicht am unter Reviews

Michael Wollny