Erik Satie verglich seine Musik einmal mit Möbelstücken: Sie soll einfach nur da sein, den Raum dekorieren, unaufdringlich für Wohlbefinden sorgen. Als Inspiration für ein dynamisches Jazzalbum scheint sich diese Musik daher nicht gerade aufzudrängen. Doch der Pianist Philipp Rüttgers und sein Amsterdamer Trio wissen mit Satie erstaunlich viel anzufangen. Das Statische, Allmähliche und Balladenhafte bilden da nur eine von vielen Facetten auf diesem Album. Saties Akkordfolgen und Motive regen Rüttgers nämlich auch zu sperrigen, widerspenstigen Improvisationen an, die in fast atonale Bereiche vorstoßen. Seine Mitspieler, der Bassist Omer Govreen und die fantastische Sun-Mi Hong am Schlagzeug, sorgen für eine Menge Abwechslung und Betrieb. In dem passend betitelten „Patchwork Prelude“ fügen sich sogar ganz unterschiedliche musikalische Teile spannend aneinander. Und in „Vexations“ wird das immer wieder anders wiederholte Thema mit einem rasanten Kontrast-Tempo unterlegt. Da beginnen Saties Möbelstücke zu tanzen.
Text
Hans-Jürgen Schaal
Ausgabe
, Jazz thing 165
Veröffentlicht am 22. Okt 2026 um 07:57 Uhr unter Reviews