Noah Preminger

Genuinity

(Criss Cross/Hamonia Mundi)

Noah Preminger – Genuinity (Cover)Gedankenspiele: Wie würden wohl Alfred Lion und Francis Wolff ihr Kultlabel Blue Note heute aufstellen? Im Stile von Criss Cross vielleicht, das sich seit 1981 über Wasser hält und Talenten sowie Geheimtipps der US-Neobop-Szene kontinuierlich eine Plattform bietet? Wie dem 31-jährigen Ausnahme-Saxofonisten Noah Preminger. Eigentlich kann das Konzept des Holländers Gerry Teekens, das in punkto Philosophie und Artwork häufig mit Blue Note verglichen wird, gar nicht aufgehen. Doch das Beispiel Preminger zeigt erneut, wie wichtig derartige Labels gerade in Zeiten wie diesen sind. Womöglich hätten wir sonst gar auf „Genuinity“, dessen reduktionistische Klarheit und das verblüffende Selbstverständnis dieses klavierlosen Quartetts verzichten müssen. Jedes der neun nach allen Seiten offenen Originals scheint zu atmen, getragen von einem dezent blueslastigen Puls von Drummer Dan Weiss sowie Bassist Kim Cass. Der Saxofonist entfaltet seine seinen sensiblen, anpassungsfähigen Ton, seine feinen Schattierungen unaufdringlich, aber wirkungsvoll. Die eigentliche Entdeckung ist jedoch Trompeter Jason Palmer, der mit großem erzählerischem Gestus und spielerischer Virtuosität sogar Partner Preminger noch eine Idee heller strahlen lässt.

Text
Reinhard Köchl
, Jazz thing 123

Veröffentlicht am unter Reviews

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