Nils Landgren

Nature Boy

(ACT/edel)

Nils Landgren – Nature Boy (Cover)Es klingt bedeutungsschwer, wenn im Pressetext steht, dass sich für Nils Landgren mit seinem ersten Soloalbum „der Bogen einer 40-jährigen Karriere schließt. Mit Klängen für die Ewigkeit“. Götterdämmerung im Posaunenhimmel? Ende? Aus? Vorbei? So weit scheint es zum Glück noch nicht zu sein. Aber auch an dem bald 66-jährigen schwedischen Hansdampf in allen Gassen ging Corona nicht spurlos vorüber. Der rastlose Mann, der in seinem Leben vom Produzenten bis zum Hochschulprofessor nahezu in jede Rolle schlüpfte, sah sich während des ersten Lockdowns plötzlich ganz auf sich zurückgeworfen. In seinem Wohnort Skillinge ging er deshalb mit seiner Frau Bea in eine Kirche, um nur für sie zu spielen. Nils griff dabei auf Stücke zurück, die ihm selbst viel bedeuten: traditionelle schwedische Volkslieder, Cat Stevens‘ „Morning Has Broken“ oder Nat King Coles „Nature Boy“. Das Besondere dieser Aufnahme will sich beim Hören nicht auf Anhieb einstellen. Erst ganz allmählich wird klar, warum das Ehepaar diese eigenwillige, schwebende Stimmung als etwas Außergewöhnliches begriff. Landgren spielte klar, langsam, ohne Multiphonics und schickte jeden Ton mit viel Luft durch Raum und Zeit. Ein schönes, ein treffendes Selbstporträt.

Text
Reinhard Köchl
, Jazz thing 141

Veröffentlicht am unter Reviews

Michael Wollny