ELBJAZZ 2018

Lynne Arriale

Solo

(In&Out/in-akustik)

Lynne Arriale - SoloViele Jahre ist Lynne Arriale ihrem Format treu geblieben. 15 Jahre lang spielte die Pianistin ausschließlich im Trio, bevor sie zwei Quartett-Alben aufgenommen hat. Nun hat sie allen Ballast von sich geworfen und sich an die Königsklasse der Solo-Performance herangewagt. Und das ist gut so. Denn die 54-Jährige braucht sich mit diesem Werk nicht hinter der Kollegenschaft zu verstecken. Dafür liefert sie auf „Solo“ zwölf eindrückliche Beweise und macht schnell deutlich, dass sie weder zu den Themen-Zerfledderern zählt noch zu denen, die lange und lustvoll in den Innereien der Songs wühlen. Ihre Auseinandersetzung mit den Kompositionen dauert zwischen drei und fünf Minuten. Die nutzt sie nicht, um im Schnelldurchgang über die Oberfläche zu huschen, sondern um einen Kosmos zu erzeugen, dem melodische Sanftmut ebenso wenig fremd ist wie herausfordernde Kantigkeit. Und da werden auch schnell die Pole deutlich, zwischen denen sich Arriale bewegt, ohne zur Kopistin zu werden: Bill Evans schimmert immer wieder durch, wenn lange Melodiebögen aus einem romantischen Geist schöpfen, und Thelonius Monk hat sein Händchen mit an den Tasten, wenn die linke Hand mit schroffen Akkorden die Halbtonketten der Rechten kontrastiert.

Text
Michael Stürm
, Jazz thing 93

Veröffentlicht am unter Reviews
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