ELBJAZZ 2018

Jean-Michel Pilc - EssentialWenn der französische Pianist mit Wahlwohnsitz New York neben eigenen Stücken Standards interpretiert – und das tut er auf fast jedem seiner Alben –, dann wird aus den Vorlagen immer wieder eine Überraschung. Seine Sorte „Caravan“ versteckt sich hinter einer Stakkato-Note, erst allmählich hämmert Pilc das Motiv hervor; der gleich erkennbare Strayhorn-Zug hingegen taucht als kokett verspielte Melodie auf. Mit einer lyrischen Version von „Scarborough Fair“ erinnert Pilc an das erste Album bei Dreyfus, das er vor neun Jahren veröffentlichte und wo seine Interpretation des Songs erstmals zu hören war. Nach dem Tod des Label-Chefs bringt Pilc das neue Album nun bei der New Yorker Firma Motema heraus. „Essential“ ist die erste Live-Solo-CD des brillanten Technikers. Ob Chopin oder Miles Davis, Weill oder die eigenen Stücke, darunter die bluesige Titelmelodie und der romantische Auftakt „J&G“ sowie eine Handvoll Etüden: Die Palette des fantasiereichen Autodidakten, der sich nicht am Rest der Pianistenwelt orientiert, fasziniert immer wieder. Auch für Fans audiophiler Aufnahmen empfiehlt sich „Essential“, selbst wenn es bei „Mack The Knife“ mal kurz scheppert.

Text
Uli Lemke
, Jazz thing 90

Veröffentlicht am unter Reviews
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