Das Kollektiv Irreversible Entanglements setzt seine Reise fort und erweitert sie um neue Mitreisende. Auf ihrem afrofuturistischen Statement „Future Present Past“ geht es weniger vordergründig um freie Improvisation als um ein Ritual, das die Hörer in eine Art offensiver Trance versetzt. Mit Fahrgästen wie dem Sänger und Keyboarder Helado Negro und der Band Motherboard setzen sie auf einen renitenten Schulterschluss von politisch wachen Musikerpersönlichkeiten, die einen künstlerischen Kontrapunkt zu gesellschaftlichen Veränderungen setzen wollen. Die Binsenweisheit, dass schwierige Zeiten gute Kunst hervorbringen, lässt sich im Zeitalter von KI und Social Media sicher nur noch bedingt aufrechterhalten, und doch beweisen uns die Ghostrapperin Moor Mother und ihre Band eindrucksvoll, dass man zumindest seine künstlerischen Möglichkeiten nutzen und erweitern kann, um seine Stimme zu erheben. Auf „Future Present Past“ entledigen sie sich aller Referenzen und zeitlichen Klammern, um sich mit einer Musik völlig neuen Zuschnitts Gehör zu verschaffen.
Text
Wolf Kampmann
Ausgabe
, Jazz thing 163
Veröffentlicht am 04. Mai 2026 um 07:58 Uhr unter Reviews