Enrico Pieranunzi Trio & Orchestra

Blues & Bach

(Challenge/Bertus)

Enrico Pieranunzi Trio & Orchestra – Blues & Bach (Cover)Warum eigentlich nicht früher? John Lewis starb vor 21 Jahren, doch kaum jemand wagte sich seither an das musikalische Erbe. Der Gründer des Modern Jazz Quartet galt als Grenzgänger zwischen Klassik und Jazz. Aber anders als beim „Third Stream“ durchzog das Œuvre des Pianisten stets eine feine Swingnote, auch weil er selbst mit Charlie Parker und Miles Davis arbeitete. Angesichts der Fulminanz von „Blues & Bach“ darf man sich schon die Frage stellen, warum Enrico Pieranunzi, einer von Lewis‘ Brüdern im Geiste, so lange mit seinem Herzensprojekt wartete. Im 73. Lebensjahr hat der klassisch ausgebildete Jazzpianist aus Rom nun endlich mit dem Dirigenten Michelle Corcella einen Schlachtplan ersonnen, um Lewis‘ Werk (unter anderem „Django“, „Concorde“, „Milano“) mit eigenem Trio (Bassist Luca Bulgarelli, Drummer Mauro Beggio) sowie dem Orchestra Filarmonica Italiana neues Leben einzuhauchen. Dabei entstand gewissermaßen ein Crossover innerhalb eines Crossovers (Jazztrio plus Streichquintett und Holzbläserquintett). Ambitioniert, engagiert, aber fast erwartbar keine neue Instrumentalsprache. Vielleicht ist es dafür auch zu spät.

Text
Reinhard Köchl
, Jazz thing 147

Veröffentlicht am unter Reviews

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