RIP: Peter Giger

Peter GigerPeter GigerAm 27. Mai ist der Schlagzeuger und Perkussionist Peter Giger im Alter von 87 Jahren gestorben. Er war eine der prägenden Figuren der Schweizer Musikszene, in dessen Laufbahn sich die europäische Jazzgeschichte von New-Orleans-Jazz und Swing über freien Jazz bis zu universalistischer „Weltmusik“ spiegelt. Geboren 1939 in Zürich, begann Giger das Trommelspiel in einer Berner Knabenkapelle, lernte Mundharmonika in einem Waisenhaus in Thun und zurück in Bern, wo er in die lokale Jazzszene eintauchte, auch Akkordeon und Klavier. Seine Profikarriere begann er 1958 als Schlagzeuger der Zürcher Dixieland-Kapelle Tremble Kids. Prägende Lehrjahre verbrachte er ab 1961 in Paris, wo ihn der Pianist Claude Bolling in seine Bigband und sein Sextett holte. Es folgten Studio-Aufnahmen mit unter anderem Duke Ellington und Billy Strayhorn und Konzerte mit Stéphane Grappelli, Bill Coleman und den Sängerinnen Alice Babs, Miriam Klein und Beryl Bryden.

Zurück in der Schweiz gründete Giger seine Ensembles Drum Circus und Four For Jazz und entwickelte unter dem Einfluss der Schriften des LSD-Apostels Timothy Leary offene Musizierkonzepte. Er war zudem Mitbegründer und Lehrkraft der Swiss Jazz School, was den Beginn seiner Laufbahn als Pädagoge markierte. Viele Schlagzeuger:innen kennen sein 1993 erschienenes und seitdem mehrfach aufgelegtes Buch „Die Kunst des Rhythmus – Eine grundlegende Auseinandersetzung mit der Musik als organisierte Zeit“.

Giger blieb nie lange an einem Ort. Er zog nach Frankfurt, wo er in Albert Mangelsdorffs Band und mit Volker Kriegel und Eberhard Weber spielte; nach Köln, um an der Hochschule für Musik zu unterrichten; der Liebe wegen nach Meißen in Sachsen, wo er ein Perkussion-Museum aufbauen wollte; und schließlich, 2002, ins Tessin. Giger war zu jeder Zeit in mehr als einer Gruppe aktiv, darunter seit 1988 im Quartett mit Jasper van’t Hof, Tomasz Stańko und Vitold Rek. Als Erfüllung seiner kompositorischen Ambitionen und als seine langlebigste Gruppe erwies sich die Family of Percussion. Ursprünglich der Name eines Solo-Albums, auf dem er 1975 im Mehrspurverfahren eigene Schlagzeug- und Perkussionspuren zu orchestralen Kompositionen addierte, entwickelte sich die Family zu einer festen Band mit wechselnden Mitgliedern – darunter Schlagzeuger und Perkussionisten wie Joe Nay, Wolfgang Schlüter, Trilok Gurtu, Doug Hammond, Michael Küttner, Tom Nicolas und Saxofonist Gerd Dudek. Zum erweiterten Familienkreis gehörten Gäste wie Albert Mangelsdorff, Naná Vasconcelos und Archie Shepp, der auf dem Album „Here Comes The Family“ sein Debüt als Sänger hatte. Die LP war lange Zeit ein Geheimtipp für Rare-Groove-Spezialisten. Gastspielreisen mit der Family of Percussion führten Giger nach Asien und Afrika, wo er, an der Wiege der Trommelkunst, förmlich aufblühte. Auch als Solo-Schlagzeuger zog es ihn immer wieder nach Westafrika, und Alben wie „Africa Meets Europe“ mit Papa Oyeah Mackenzie und „Mozambique Meets Europe“ mit der Family of Percussion zeugen von seiner jahrelangen Auseinandersetzung mit afrikanischer Rhythmik und Performance-Praxis.

Seine Musik war geprägt von endloser Neugier und Offenheit, seine Kraft und sein intensives, polyrhythmisches Spiel erinnerte an Ginger Baker, während er seine Mitmusiker durch innere Ausgeglichenheit, Loyalität und Fürsorge beeindruckte. In einem 45-minütigen TV-Porträt von Frank Nestler und Hanna Sommer mit dem Titel „Peter Giger – Herr der Trommeln“ ließ Giger seine Musikkarriere bis 1999 Revue passieren. Der Film ist auf Deutsch und Englisch auf Youtube zu sehen und gibt einen Eindruck von seiner Philosophie und Arbeitsweise. Er endet mit einem Zitat aus seinem Buch „Die Kunst des Rhythmus“: „Rhythmus ist Wechsel und Wiederkehr, Fortbewegung und Innhalten, Spannung und Entspannung, Zusammensetzung und Spaltung, Freude und Schmerz, Leben und Tod. Gehen ist Rhythmus, Sprache ist Rhythmus. Musik ist rhythmische Klangsprache.“

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Peter Giger

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Eric Mandel
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