RIP: Sonny Rollins

Sonny RollinsSonny RollinsÜber den Jazzmusiker und Saxofonisten Sonny Rollins weiß man viel, seine Vita ist ebenso gut dokumentiert und erforscht wie seine Diskografie. Doch über den Menschen Sonny Rollins weiß man wenig, weil er zeitlebens als eher verschlossen und nicht sehr zugänglich galt. Am 7. September 1930 in Harlem, New York, als Theodor Walter „Sonny“ Rollins geboren, war er jedenfalls einer der letzten lebenden Pioniere des modernen Jazz, der noch mit der ersten Generation der Bebop-Revoluzzer zusammengearbeitet hatte. Seine erste Plattenaufnahme machte er 1949, im selben Jahr spielte er unter anderem mit dem Posaunisten J.J. Johnson und dem Pianisten Bud Powell. Kurz darauf begann seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Trompeter Miles Davis und er kam mit dem Pianisten Thelonious Monk zusammen.

Rollins hatte ein großes Selbstbewusstsein. 1956 ist sein Album „Saxophone Colossus“ im Quartett mit Tommy Flanagan (Piano), Doug Watkins (Bass) und Max Roach (Drums) erschienen. Fünf Stücke sind darauf zu finden – auch der Calypso „Saint Thomas“, der zur vielleicht bekanntesten Komposition von Rollins werden sollte. Das Album selbst gilt als Meilenstein im Jazz, weil der Saxofonist darauf seine wie endlos wirkenden Melodiegirlanden mit harmonischem Spielwitz und lakonischem Humor zelebrierte. Seitdem wird Rollins auch geradezu ehrfürchtig „Saxophone Colossus“ genannt.

Weil er in zu kurzer Zeit zu erfolgreich geworden war, zog sich Rollins 1959 aus der Jazzszene zurück. Er gab das Rauchen auf und las viel in seinem Apartment in Manhattan. Weil man sich über sein lautes Üben auf dem Saxofon beschwert hatte, ging er regelmäßig zum Spielen auf die Williamsburg Bridge zwischen Manhattan und Brooklyn. „Du stehst da oben über der ganzen Welt“, erinnerte Rollins sich in der New York Times. „Du kannst runterschauen, und da ist die Skyline, das Wasser, die Bucht. Es ist ein wunderschönes Panorama. Du kannst da oben so laut spielen, wie du willst. Und du kommst ins Nachdenken. Diese Pracht gibt dir eine ganz neue Perspektive.“ Nahezu programmatisch nannte Rollins 1962 sein erstes Album nach seinem Sabbatical „The Bridge“, im Quartett mit Jim Hall (Gitarre), Bob Cranshaw (Bass) und Ben Riley (Drums).

In den 1960ern war Rollins als Tenorsaxofonist endgültig etabliert. Er spielte unter anderem mit dem Pianisten Paul Bley und dem Trompeter Don Cherry, trat mit Mary Lou Williams in Kopenhagen auf, tourte durch Japan und war 1965 zu Gast auf den Berliner Jazztagen. 1983 wurde er „NEA Jazz Master“, 2004 bekam er für sein Lebenswerk eine Grammy. 2007 wurde Rollins dann mit dem schwedischen Polar Music Prize als „eine der kraftvollsten und persönlichsten Stimmen des Jazz“ ausgezeichnet. 2012 gab er sein allerletztes Konzert, zwei Jahre später hörte er aus gesundheitlichen Gründen ganz mit dem Saxofonspielen auf. Am 25. Mai ist Theodore Walter „Sonny“ Rollins im Alter von 95 Jahren in Woodstock, New York, gestorben. „Wenn der schöpferische Mensch endet“, hat Rollins einmal gesagt, „lebt er in einer nächsten Existenz weiter. Ich bin überzeugt, dass dieses Leben nicht das Maß aller Dinge ist. Als spiritueller Mensch fühle ich das nicht so.“

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Sonny Rollins

Text
Martin Laurentius
Foto
Arne Reimer

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