RIP: Keith Tippett

Keith TippettKeith TippettManchmal ist der Grund, warum ein Künstlername gewählt wird, ganz simpel. Ende der 1960er-Jahre zog es den Pianisten Keith Tippetts aus seiner Heimatstadt Bristol, wo er 1947 geboren wurde, nach London. Dort lernte er die Musiker kennen, mit denen er 1968 sein Sextett gründete. Weil das „s“ am Schluss seines Nachnamens in der Aussprache von „Keith Tippetts Sextet“ nicht zu hören war, entschloss er sich, fortan Tippett zu heißen. In den ersten zwei Jahrzehnten seiner Karriere bewegte sich der Pianist und Bandleader an der Schnittstelle zwischen Rock und Jazz. Mit seinem Sextett spielte er zum Beispiel zeitgenössische Improvisationsmusik, über Soft Machine näherte er sich der Rockmusik an und war dann auch eine Weile lang Mitglied bei King Crimson. Über seine Ehefrau, der Sängerin Julie Tippett, wurde er Mitte der 1980er für das Working-Week-Album „Fire From The Mountain“ als Gastpianist engagiert.

Doch der eigentliche Schwerpunkt war das Experimentieren mit einer tonal wie formal freien Improvisationsmusik. Seine genregrenzen ignorierenden, musikästhetischen Forschungen trieb Tippett bis an die Grenzen der Tonalität und darüber hinaus – in Orchestern wie Centipede ebenso wie in kleinen Besetzungen, oftmals mit seiner Ehefrau Julie als Sängerin. Nach den expressiven und wilden Klangexzessen der Anfangsjahre in London wurde Tippett ab den 1980ern ruhiger. Seine akustischen Parallelwelten, die er am Flügel entwarf, zogen ihre Kraft aus dem Inneren, dort, wo Tippett von nun an auf Klangforschung ging. Er war im Quartett Mujican zu hören, aber auch in Duos wie zum Beispiel mit dem Wuppertaler Gitarristen und Daxophon-Erfinder Hans Reichel, zudem war er in den 1990ern Mitglied im Dedication Orchestra von Louis Moholo. Am 14. Juni ist Tippett im Alter von 72 Jahren gestorben.

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Keith Tippett

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen, Martin Laurentius & Rolf Thomas

Foto
Creative Commons/Richard Kaby

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