111 Gründe, Jazz zu lieben111 Gründe, Jazz zu liebenOkay, die „111 Gründe, Jazz zu lieben“, sind eher subjektiv und willkürlich gewählt. Doch etwas so sehr zu lieben, dass man parteiisch und leidenschaftlich ist, kann ein Türöffner sein in eine Welt, die einem sonst wahrscheinlich verschlossen bleibt. „Wenn Jazz ein offenes System im Sinne von Strukturgedanken und Handlungsweisen wie Improvisation, Spontaneität, Intuition ist, dann ist er musikalisch gesehen die größtmögliche Option für individuelles Gestalten“, ist der auch für Jazz thing schreibende Jazzjournalist Ralf Dombrowski überzeugt – und erläutert in seinem als „Nur kurz vorab“ überschriebenen Vorwort das Konzept seiner nun als Buch erschienenen „111 Gründe, Jazz zu lieben“: „Dieses Buch ist eher eine Art Netz mit vielen Anknüpfungspunkten, die als Ausgangspunkt für eigene Entdeckungen dienen.“

In zehn Kapiteln hat Dombrowski seine „Liebeserklärung“ zusammengefasst: Geschichtliches in „Alte Zeiten“ etwa, Theoretisches in „Theorie und Praxis“, Ästhetisch-stilistisches in „Innenleben und Außenwirkung“ oder Blicke über den Tellerrand in „Nachbarschaften“. Dombrowski sucht nach Geschichten hinter den (Musiker-)Persönlichkeiten, nach Anekdoten und Kuriosa, wie sie zumeist nur unter der Oberfläche zu finden sind. Er will den Leser auffordern, sich mit dieser Musik zu beschäftigen – mehr noch: auseinanderzusetzen, um die Vitalität, die kreative Kraft, das Zeitgenössische und Moderne und das auch heute noch immanent Politische und gesellschaftlich Relevante dieser Gattung herauszuarbeiten. Manche Gründe lassen einen beim Lesen schmunzeln, andere wiederum regen zum Widerspruch und Nachdenken an.

Eines ist gewiss: Der Sogkraft von Dombrowskis 111 Gründen, den Jazz zu lieben, kann man sich als Leser nur schwer entziehen – auch und gerade deshalb nicht, weil diese einerseits durchaus in einem wissenschaftlich-journalistischen Duktus geschrieben worden sind, andererseits aber auch in ihrer Kürze wie Aphorismen daherkommen, um zum Einstieg in eine tiefergehende Beschäftigung mit Jazz und improvisierter Musik zu werden. Dombrowskis Buch „111 Gründe, Jazz zu lieben“ ist am 15. November im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienen und kostet 14,99 Euro.

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Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Veröffentlicht am unter News