Jack WhittenJack Whitten

Noch bis zum 1. September läuft im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin „Jack’s Jacks“. Es ist die erste Einzelausstellung des US-amerikanischen Künstlers Jack Whitten in einem europäischen Museum. Der 2018 im Alter von 78 Jahren verstorbene Künstler war noch selbst an der Konzeption der Ausstellung beteiligt. Die 30 ausgewählten Gemälde sind historischen Ereignissen und prominenten Personen gewidmet, die Whitten begleitet und beeinflusst haben. 1960 verlässt der Afroamerikaner, der in den Südstaaten während der Segregation aufwuchs, jene Realität, die er als „amerikanische Apartheid“ bezeichnet hat, und zieht nach New York, um Kunst zu studieren. Afroamerikanische Künstler wie Romare Bearden, Jacob Lawrence und Norman Lewis fördern und unterstützen ihn. In den Clubs hört er Konzerte von Max Roach, John Coltrane, Miles Davis, Thelonious Monk und Ornette Coleman, der Jazz wird zu einer wesentlichen Inspirationskraft für ihn. Neben Mentoren wie Bearden und Kollegen wie Andy Warhol und Robert Rauschenberg gewidmeten Werken, sind auch „King’s Wish (Martin Luther’s Dream)“, 1968 nach der Ermordung Kings geschaffen, sowie „Apps For Obama“ aus dem Jahre 2011 in Berlin zu sehen.

„Die schillernden Farben seiner fragmentierten Malereien erinnern stark an die improvisierten Soli und Rhythmen des Jazz und verraten Whittens unverkennbare Liebe für diesen Musikstil“, heißt es im Ausstellungstext. Bei der Arbeit habe Whitten nicht nur hauptsächlich Jazz gehört, seine künstlerischen Werke sollten dem Jazz gleichen. In Berlin sind zahlreiche Gemälde zu sehen, die Jazzmusikern wie Duke Ellington („The Predominance Of Tan, Black And Blue“, 1999), Art Blakey („The Messenger“, 1990), John Coltrane („Totem VI Annunciation“, 2000) und Betty Carter („Flying High“, 1998) gewidmet sind. In seinen Notizen zu den Gemälden erläutert Whitten, wie er die Künstler kennenlernte und was er besonders an ihnen schätzte. Etwa wenn er die Sängerin und Bandleaderin Betty Carter mit einer Befehlshaberin des Langstreckenbombers B-52 vergleicht: „In einer Höhe von 15 Kilometer fliegend, ist sie mit genügend Munition ausgestattet, um eine feindliche Stadt innerhalb von zehn Minuten in eine Parkplatzöde zu verwandeln“. Von Blakeys Konzerten war Whitten als junger Student, der auch Saxofon spielte, so begeistert, dass er sein Instrument schließlich verkaufte, weil er sich nicht gut genug wähnte. Der umfangreiche Katalog zur Ausstellung, „Jack Whitten. Jacks’s Jacks“, ist im Prestel Verlag erschienen. Er hat 239 Seiten und kostet 35 Euro.

Weiterführende Links
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Foto
John Berens

Veröffentlicht am unter News