Florian RossFlorian Ross

Köln ist anders; vor allem anders als Berlin. Während die Kulturszene in der deutschen Hauptstadt mit ihren Galerien und Museen, mit ihren Theatern, Opern und Häusern der klassischen Musik vor allem von einer internationalen Öffentlichkeit gefeiert wird, blühen Kunst, Schauspiel und Musik in der Domstadt im Westen Deutschlands eher im Verborgenen. Doch der Humus, auf dem in Köln die Kulturpflanzen so prachtvoll gedeihen, ist fruchtbar. Dafür von zentraler Bedeutung ist auch der Kölner Jazz, der sich längst gegenüber populären Formen der Musik wie Indie-Rock, HipHop oder avanciertem Pop geöffnet hat – und je mehr stilistische Stränge sich ausdifferenzieren, desto hör- und sichtbarer werden sie: in Köln und darüber hinaus. Anteil an dieser Entwicklung haben Gruppen wie SALOMEA oder das Subway Jazz Orchestra, haben Kollektive wie KLAENG oder IMPAKT und Musiker*innen wie die Sängerin Tamara Lukasheva, der Schlagzeuger Dominik Mahnig oder der Posaunist Janning Trumann. Die treffen in der Kulturverwaltung auf ein Umfeld, das bereit ist, sie mit finanziellen Mitteln zu unterstützen. Auch das ist anders als in Berlin.

Die Vielfalt und Diversität der Kölner Musikszene zeigt sich seit 2012 stets zum Jahresanfang. Dann nämlich veranstalten die beiden Musikerinnen Angelika Niescier und Ulla Oster das Festival Winter Jazz Köln. Der Termin für die 2019er-Ausgabe steht schon seit längerem fest: der 5. Januar. Das Programm, das an diesem Abend auf den verschiedenen Bühnen im „Europäischen Zentrum für Jazz und aktuelle Musik“, dem Kölner Stadtgarten, stattfindet, ist nunmehr auch komplett: „Von Fusion, Free Jazz und Avantgarde über waghalsige Mischungen von Modern Jazz, Neuer Musik, Pop und Heavy Metal oder Werk-Vertonungen angloamerikanischer Dichter bis hin zu Klangreisen mit ekstatischen Vocals, effektbasierten Bass- und Synthesizerklängen, treibenden Grooves und kaleidoskopischen Farbklängen gibt es eine weitreichende Bandbreite abseits plattgetrampelter musikalischer Pfade zu entdecken“, so die beiden Kuratorinnen.

Der Pianist Florian Ross stellt zum Beispiel die vokale Improvisationsmusik seines neuen Quintetts vor, Emißatet um die Cellistin Elisabeth Coudoux sucht nach Möglichkeiten der Verwirklichung direkter musikalischer Kommunikation, Sebastian Scobel spielt ein unbegleitetes Klavier-Soloprogramm, Of Cabbages And Kings singt a-Capella die Lieder der Debüt-CD „Aura“ und das Juli Quartett des Saxofonisten Sven Decker präsentiert seine Vorstellung von Ordnung und Unordnung in der (improvisierten) Musik. Alle Infos und das komplette Programm gibt es auf der Winter-Jazz-Site im Netz, Einlass ist 18.30 Uhr. Die Erfahrung der vergangenen Ausgaben zeigt: Frühes Kommen ist notwendig, auch 2019 werden lange Besucherschlangen vor den Konzertsäle erwartet.

Für den 6. Januar haben Niescier und Oster auch noch eine Konferenz auf die Beine gestellt: „Obwohl das Gleichstellungsthema auch im Bereich Jazz wieder verstärkt zur Sprache kommt, hat sich bisher an der bekannten Problematik wenig geändert“, schreiben die Organisatoren auf der Stadtgarten-Website – und laden ab 11 Uhr Musikerinnen, Veranstalterinnen und Journalistinnen für eine Konferenz zur Netzwerkbildung in den Stadtgarten ein. Im ersten Teil berichten die Journalistinnen Pia Lenz und Anna Orth über ihre Recherchen zur Doku „Der kleine Unterschied 2018“, gefolgt von einer Diskussion mit den beiden Regisseurinnen. Im Anschluss soll diese Diskussion in Arbeitsgruppen vertieft werden, um am Ende des Tages die Ergebnisse zusammenzuführen. Ziel der Konferenz ist die Gründung eines offenen Netzwerkes, um sich in lockerer Folge zu treffen und Impulse für eine künstlerische, gesellschaftliche und politische Arbeit zu geben. Infos auf der Stadtgarten-Site.

Weiteführende Links
Winter Jazz Köln
Konferenz zur Netzwerkbildung

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Veröffentlicht am unter News