ELBJAZZ 2019

Paolo ContePaolo ConteIm Angloamerikanischen nennt man sie Singer/Songwriter, im Französischen Chansonnier und im Deutschen dann Liedermacher. Auch im Italienischen gibt es ein schlichtes Wort für die Künstler, die live auf der Bühne oder im Studio ihre zumeist selbstgeschriebenen Lieder singen: „Cantautore“, ein Kompositum aus „cantate“ (auf Deutsch: „Sänger“) und „autore“ (auf Deutsch: „Autor, Komponist“). All diesen Sängerinnen und Sängern gleich welcher Herkunft gemein ist das breite Spektrum, dass sie sowohl inhaltlich in ihren Liedtexten als auch musikalisch in ihren Songs abdecken: Es reicht textlich von frivolen Liebesliedern über Beschreibungen von menschlich Alltäglichem bis hin zu sozialkritisch politischen Themen, stilistisch wiederum von Folklore über Pop und Rock bis hin zu einer jazzinspirierten Harmonik und Phrasierung.

Einer der vielleicht auch international bedeutendsten Cantautori Italiens ist Paolo Conte. Selbst im hohen Alter (Conte feiert am 6. Januar seinen 82. Geburtstag) hat er nichts von seiner Grandezza, seiner würdevollen Eleganz und ungezwungenen Lässigkeit eingebüßt. Conte wurde im piemontesischen Asti geboren und wuchs in einem musikbegeisterten Umfeld auf. Er lernte erst Posaune und Vibrafon, bevor er während seines Jurastudiums zum Klavier wechselte und mit dem Komponieren eigener Lieder begann. Bis er seinen eigentlichen Broterwerb als Jurist 1974 ganz aufgab, konzentrierte sich Conte vor allem auf das Schreiben für andere Sänger. So hatte er zum Beispiel 1968 seinen ersten großen Hit: „Azzurro“ in der Fassung von Adriano Celentano. Auch wenn sich Conte ab Mitte der 1970er auf die eigene Karriere als Cantautore konzentrierte, so brauchte es eine Weile, bis sich erste Erfolge einstellten. Seine Texte hatten stets literarische Ambitionen, sie waren einerseits humorvoll und ironisch, andererseits aber auch tiefgründig und reflektiert. Musikalisch waren seine Lieder mehr als nur jazzinspiriert. Sie feierten geradezu die Freiheit des Jazz und bezogen sich oftmals auf die Leistungen der amerikanischen Altvorderen dieser ursprünglich swingenden Musik aus dem Süden der USA.

Viele von Contes Liedern, die er in den Anfangsjahren seiner Karriere komponiert und gesungen hatte, sind längst Klassiker geworden und bis heute in seinem Repertoire zu finden – wie zum Beispiel „La Ragazza Fisarmonica“, „Una Giornata Al Mare“, „La Fisarmonica Di Stradella“ oder „Onda Su Onda“. Für seine stetig wachsende Fangemeinde kam es überraschend, dass Conte nach und nach seinen Schwerpunkt auch auf andere Talente legte, obwohl (oder gerade weil?) er als Musiker und Sänger immer erfolgreicher wurde – nun auch international. Er begann, als Maler zu arbeiten, seine Bilder wurden in renommierten Museen und Galerien gezeigt, auch der literarische Anspruch seiner Liedtexte rückte mehr und mehr in den Mittelpunkt des Interesses einer kunstliebenden Öffentlichkeit. Mit dem Ergebnis, dass Conte 2003 die Ehrendoktorwürde für Literatur der Universität Macerata verliehen bekam und fünf Jahre später mit der gleichen Auszeichnung in Malerei der Kunstakademie Catanzaro gewürdigt wurde.

Am 14. und 15. Juni 2018 feierte Conte mit seinem Orchester und einigen Gästen das 50- jährige Jubiläum von „Azzurro“, dem Lied also, das 1968 von Celentano gesungen worden war und ihm selbst den Durchbruch als Komponist beschert hatte. Die Aufnahmen dieser beiden Abende wurden am 9. November als „Live In Caracalla – 50 Years Of Azzurro“ (BMG/Warner) veröffentlicht. Im Repertoire finden sich die größten Hits des Sängers, die auch als eine Art musikalisches Resümee der Karriere Contes gehört werden können – live in den atmosphärischen Caracalla Thermen aufgenommen. Wir verlosen drei dieser Doppel-CDs: Schickt uns bis zum 13. Dezember eine E-Mail an redaktion@jazzthing.de – mit ein paar Sätzen über unseren wöchentlichen Jazz thing Newsletter. Viel Erfolg!

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Paolo Conte

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Veröffentlicht am unter Gewinnen, News

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