Beim moers festival: Carolin PookCarolin PookIn der Einladung zur Pressekonferenz am 6. April, auf der das Programm des diesjährigen moers festivals vom 2. bis 5. Juni vorgestellt worden ist, hat man diese Pfingstfestspiele für aktuelle Musik kurzerhand in ein NRW-Landesfestival umgewandelt und die PK an das Düsseldorfer Rheinufer gleich in der Nähe des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen verlegt. Um das Anarchisch-anarchistische und den kreativen Wildwuchs der Anfangsjahre dieses Festivals zu unterstreichen, wurden draußen bei einstelligen Temperaturen Bierbänke für die Journalisten und ein Tisch als Podium für den Moerser Bürgermeister Christoph Fleischhauer, die Aufsichtsratsvorsitzende der Moers Kultur GmbH, Carmen Weist, dem künstlerischen Leiter Tim Isfort, dem Geschäftsführer Claus Arndt und dem Kulturdezernenten Wolfgang Thoenes aufgestellt. Drumherum hat man versucht, das Ganze als Happening zu inszenieren: mit zwei Schauspielern etwa, die als Camper versuchten, ein Zelt aufzubauen, mit einem Bötchen auf dem Rhein, auf dem einige Leute Lärm machten, oder einigen Festivalbannern, die rund um den Platz aufgehängt wurden.

Wegen der Kälte und dem Wind musste man für warme Füße sorgen und große Ohren haben, um die Vorstellung des Programms durch Isfort mitzubekommen. Eines lässt sich sagen: Der in Moers groß gewordene Kontrabassist hat mit seinem Team in kurzer Zeit ein Festivalprogramm zusammengestellt, das durchaus eine eigene Handschrift verrät. Große Namen sind dabei: Top-Act des Eröffnungstages ist Brian Blade, der mit seinem Singer/Songwriter-Projekt „Mama Rosa“ in die Moerser Festivalhalle kommt, gefolgt von Anthony Braxtons Sextett ZIM am Pfingstsamstag, The Bad Plus am Sonntag und Ingrid Laubrock mit ihren zwei „Orchestral Pieces: Vogelfrei / Contemporary Practices“ am Montag. Doch spannender dürften die weniger bekannten Bands und Musiker sein. Isfort hat einen vom Saxofonisten Jan Klare kuratierten Flandern-Schwerpunkt ausgelobt und unter anderem De Beren Gieren und die Punk-Band Cocaine Piss nach Moers geholt. Auch weltmusikalisches ist im Programm, natürlich durch die „Improvisationsbrille“ gebrochen: das Projekt „Radio Kinshasa“ zum Beispiel, in dem Bebson de la Rue und Huguette Huguembo aus dem Kongo auf FM Einheit von den Einstürzenden Neubauten treffen. Die Ausgabe 2017 ist auch so etwas wie ein Treffen dreier „Improviser In Residence“: Neben Saxofonistin Laubrock, die dieses Amt 2012 innehatte, stehen auch noch Geigerin Carolin Pook und ihr aktueller Nachfolger, Trompeter John-Dennis Renken auf der Bühne.

Zudem will Isfort das Festival wieder stärker im Stadtleben verankern und hat sich dafür Spielstätten in der Moerser Innenstadt ausgeguckt: Frank Stanzl gibt zum Beispiel in der Stadtkirche ein elektro-akustische Orgelkonzert oder das Satanique Samba Trio aus Brasilien findet seinen Weg in das Schlosstheater. Der Name von Isforts Vorgängers als künstlerischer Leiter fiel übrigens nur einmal: Als Carmen Weist am Schluss der PK Reiner Michalke und seinem Team für ihre hervorragende Arbeit in elf Festivalausgaben dankte. Ansonsten ist das Jahr 2016 mit seinen Hiobsbotschaften und seinem Trubel rund um die angebliche finanzielle Schieflage des renommierten moers festivals für die teils neuen Organisatoren vergeben und, so hat es den Anschein, auch vergessen. Das komplette Programm gibt es auf der Site des moers festivals im Internet.

Weiterführende Links
moers festival

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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