Wolfram Knauer 'Duke Ellington'Wolfram Knauer ‚Duke Ellington‘Nach Louis Armstrong und Charlie Parker geht es im neuen Buch des renommierten Musikwissenschaftlers Dr. Wolfram Knauer um Duke Ellington. Auch wenn Knauer in dem von ihm geleiteten Jazzinstitut Darmstadt bereits Zugriff auf eines der führenden Jazzarchive hat, ist der bestens vernetzte Jazzforscher für sein neues Buch nach Washington gereist, um sich an der Smithsonian Institution die dort gesammelten Geschäftspapiere, Korrespondenzen und Kompositionen Ellingtons zeigen zu lassen. Mit seiner musikalischen Biografie möchte der Autor „Ellington ‚beyond category‘, also in seiner Einzigartigkeit als Komponist des 20. Jahrhunderts, würdigen, für den jedwede Schublade zu klein oder schlichtweg falsch erscheint. Es wird um einen Pianisten erster Güte gehen, der seine stupende Technik aber meist zurückstellte. Denn sein Instrument war, wie oft gesagt wurde, tatsächlich das Orchester, seine Bigband mit den von ihm ganz persönlich ausgewählten Sounds, den Klangfarben seiner Musiker, die dafür sorgten, dass man selbst in einem von der Ellington-Band gespielten Unisonosatz die Einzelstimmen durchzuhören meint.“ In Anlehnung an Albert Murrays „The Omni-Americans: Black Experience And American Culture“ beschreibt das Buch Ellington auch „als einen ‚Omni-American‘, dessen Musiksprache zwar aus der afroamerikanischen Kultur geboren wurde, mit der sich aber jeder Amerikaner, gleich welcher ethnischen Herkunft, identifizieren konnte.

Knauer hat immer wieder darauf hingewiesen, dass sich die Jazzforschung in der Beschreibung von biografischen, gesellschaftlichen, politischen oder geschäftlichen Details oft zu weit von der Musik entfernt habe. Um dies von vornherein zu vermeiden, ließ er sich im Smithsonian vor allem die musikalischen Skizzen Ellingtons zeigen. So stehe neben Biografischem nun die Musik im Zentrum des Buchs, schreibt Knauer, der davon überzeugt ist, dass sich Musikgeschichte nur aus der Musik heraus beschreiben lasse. „Der Jazz ist für eine solche Herangehensweise ein dankbares Sujet, da seine Partituren nicht fest notierte, von anderen interpretierte Kompositionen sind, sondern ungemein persönliche Aufnahmen, die seit Beginn der Jazzgeschichte neben den Strukturen der Musik immer auch deren Interpretation dokumentieren, die Klang- und Improvisationsansätze, das Streben nach Perfektion genauso wie die nötige Risikofreude.“ Herausgekommen ist ein zum Hören anregendes Buch, das in seiner Kombination aus verlässlicher Recherche und kurzweiliger Lesbarkeit einen Glücksfall der deutschen Jazzpublizistik darstellt. „Duke Ellington“ von Wolfram Knauer ist bei Reclam erschienen. Es hat 328 Seiten und kostet 29 Euro.

Weiterführende Links
Reclam

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Veröffentlicht am unter News
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