Beim EJL-Konzert in Gütersloh: Arild AndersenArild Andersen

Im Gespräch mit Götz Bühler für unsere Artikelserie „European Jazz Legends“ beschreibt Arild Andersen sein Credo: „Hier in Norwegen hatten wir schon früh diese Dimension, viele haben es auch als demokratische Werte bezeichnet“, sagt der 70-jährige Kontrabassist. „Für ,Interplay‘ ist die Tatsache entscheidend, dass man genauso viel zuhört wie man spielt. Das war mir wichtig, auch weil ich als Bassist Teil dessen sein wollte, was vorne passierte. Es sollten drei oder vier gleichberechtigte Stimmen sein, ich wollte nicht nur ,compen‘, obwohl das auch toll sein kann. Ich kann nicht sagen, was zuerst und was als Zweites kam, es war eher wie ein Rad, das sich kontinuierlich fortbewegte.“

Andersen, 1945 in Strømmen in der Nähe von Oslo geboren, gehört zur „Gründergeneration“ des modernen Jazz in Norwegen – unter anderem mit Jan Garbarek, Jon Christensen, Terje Rypdal und Karin Krog. In den 1960ern war er Teil der Gruppe junger Musiker, die die Harmonielehre „Lydian Chromatic Concept Of Tonal Organization“ des amerikanischen Komponisten George Russell, der zu der Zeit in Norwegen lebte, geradezu verinnerlicht hatten, um eine eigene Sprache der improvisierten Musik zu entdecken. „Wir alle gehörten zu diesem Zirkel, der sich bewusst vom Post-Bop wegbewegte“, erinnert er sich, „in Norwegen hatte es bis dahin niemanden gegeben, der wirklich in dieses freiere Spiel eingestiegen war, und George Russell unterstützte uns darin, weiter rauszugehen aus der etwas eingeschlossenen, vertikalen Welt des Bebop.“ Bis 1973 war Andersen mit seinem warmen, holzigen Ton auf dem Kontrabass integraler Bestandteil des Quartetts von Garbarek, danach gründete er sein eigenes Quartett. Nach Kooperationen mit amerikanischen und europäischen Musikern – wie zum Beispiel Bill Frisell, John Abercrombie und John Taylor – brachte er 1982 sein Quintett an den Start, aus dem kurze Zeit später die Band Masqualero hervorgehen sollte. Diese Band wurde zum Nukleus für die junge norwegischen Szene, unter anderem der Trompeter Nils Petter Molvær und der Pianist Jon Balke hatten mit Masqualero ihren internationalen Karrierestart.

Am 15. April kommt Andersen mit einem Trio ins Theater Gütersloh und spielt ein Konzert im Rahmen der Reihe „European Jazz Legends“, die in Zusammenarbeit von WDR 3, Jazz in Gütersloh und Jazz thing stattfindet. „Ich freue mich sehr auf das Konzert und empfinde es als Ehre, in dieser Reihe zu spielen“, so der Bassist. „Ich bringe dafür ein wunderbares Trio mit Helge Lien am Klavier und dem Drummer Gard Nilssen mit. Sie sind ziemlich jung, aber ich wollte schon immer junge Musiker in meiner Band haben.“ Zusätzlich interviewt Bühler Arild Andersen live auf der Bühne. Die Jazzredaktion von WDR 3 schneidet den Auftritt mit und sendet diesen zu einem späteren Zeitpunkt ab 20.05 Uhr in der Konzertstrecke des Kulturradios. Und alle Konzerte der Serie werden vom Label Intuition schließlich auf CD veröffentlicht.

Weiterführende Links
Jazz in Gütersloh

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Foto
Lutz Voigtländer

Veröffentlicht am unter News
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