Am 11. März ist Lutz Büchner gestorbenLutz Büchner

Wenn Lutz Büchner nach vorne ans Solistenmikrofon ging, wenn ihn dort das Schweinwerferlicht anstrahlte, dann schien der Saxofonist geradezu aufzublühen. Eloquent phrasierend brachte er seine Geschichten zu Gehör, sein Ton auf dem Saxofon und der Klarinette besaß eine emotionale Tiefe und intellektuelle Reife, die es ihm erlaubten, seine Geschichten immer wieder auszuschmücken, zu variieren und fortzuspinnen. Büchner hatte diese Gabe: sofort mit dem ersten geblasenen Ton sein Publikum in den Bann zu ziehen. Dabei wirkte der Mensch Lutz Büchner auf den ersten Blick gar nicht so: eher zurückhaltend und mit leisem Humor, eher ein Teamplayer, der das Miteinander suchte. Doch das zeichnete ihn in den 22 Jahren, in denen er für die NDR Bigband arbeitete, aus: Selbst als Solist vorne am Bühnenrand hatte er das große Ganze in der gerade gespielten Musik fest im Ohr, gleichzeitig sorgte er aber im Saxofonsatz dieses Rundfunk-Jazzorchesters stets auch dafür, dass andere gut klingen konnten. „Mein Ziel ist es, ganz im Moment zu spielen“, so Büchners lapidare Beschreibung seines Credo.

Ein Glaubensbekenntnis, dass er mit seinem Instrumentalkollegen Herb Geller gemein hatte. Bei Geller studierte er an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg Jazzsaxofon, von Geller bekam er das handwerkliche Rüstzeug ebenso beigebracht wie den philosophischen Überbau des Jazz. Diese Studienjahre in Hamburg wurden für den 1968 in Bremen geborenen Büchner zur Basis seiner kreativen Arbeit. „Durch den Jazz habe ich einen viel spielerischeren Umgang mit der Musik gefunden“, unterstreicht er, „dadurch, dass ich improvisiere und mir selbst aussuchen kann, was ich wann spiele, finde ich viel besser in einen musikalischen Fluss.“ 1994 wird Büchner von der NDR Bigband angestellt, daneben hat er aber immer wieder Zeit für andere Projekte: entweder für sein eigenes Quartett, oder auch für seine Arbeit als Sideman in der Band des dänischen Drummers Alex Riehl und das Orchester von Ed Partyka. Anfang März ging Büchner mit der NDR Bigband auf Tournee nach Japan, um unter anderem am 9. und 10. März mit dem Schlagzeuger Peter Erskine das Projekt „Weather Report And More“ im Tokioter Blue Note aufzuführen. Am 11. März ist Büchner in Tokio an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben. „Lutz Büchner hatte den Jazz im Blut. Er liebte den spielerischen Umgang mit der Musik, die Improvisation“, sagte der NDR Programdirektor Hörfunk, Joachim Knuth: „Der Tod dieses beeindruckenden Saxofonisten ist für die NDR Bigband, für den NDR, ein großer Verlust.“

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Lutz Büchner

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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