Im Theater Gütersloh: Günter Baby SommerGünter Baby SommerEigentlich ganz simpel, wie der Schlagzeuger Günter Sommer in den 1960er-Jahren zu seinem Spitznamen „Baby“ gekommen ist. „Schon damals wollte ich eigentlich was anderes machen, meinen eigenen Weg finden, nicht mehr die amerikanischen Vorbilder kopieren“, erzählt der 1943 geborene Dresdner unserem Autor Götz Bühler, als dieser ihn zum Gespräch für die Artikelserie „European Jazz Legends“ getroffen hatte: „Was dem Klaus Lenz bei einer Probe nicht gefiel. ,Was machst’n da für ’n Scheiß? Willste alles neu erfinden, wie Baby Dodds?‘ Und da hat ein anderer Musiker, der Posaunist Hermann Andersen, gesagt: ,Hey Klaus, das ist nicht Baby Dodds, das ist Baby Sommer.‘ So ist der Name entstanden. Alles andere ist Legende.“

Was sich auf den ersten Blick wie eine Anekdote liest, bringt aber durchaus Sommers Jazz-Verständnis auf den Punkt: Sommer als Jazzschlagzeuger im herkömmlichen Sinne zu bezeichnen, trifft ebenso wenig zu, wie ihn ausschließlich mit dem Signet „DDR-Jazz“ in Verbindung zu bringen. Denn einerseits demonstriert er mit dem an den Louis-Armstrong-Drummer „Baby“ Dodds erinnernden Spitznamen seine Verbindung mit der (afroamerikanischen) Jazzgeschichte, andererseits gehört er zu der Generation ostdeutscher Musiker, die vor rund 40 Jahren mit ihrer teils frei improvisierten Musik nicht nur in der DDR für Furore gesorgt hatte. Als Klangkünstler im Allgemeinen oder als Perkussionist im Besonderen, als Soloschlagzeuger oder als Instrumentalist in einem Ensemble ist er zudem zu vielseitig interessiert, um sich nur auf seine Rolle als Jazz-Drummer einschränken zu lassen. Stets ging es Sommer auch um Materialerweiterung: zum einen durch die Vergrößerung des Instrumentariums seines Dumsets, zum anderen durch das Entdecken von neuem Repertoire. „Wenn man die afroamerikanischen Kollegen fragt, wo sie herkommen, sagen die: ,Mother Africa.‘ Und wo kommen wir her? Diese Suche ging los mit dem Zentralquartett mit Uli Gumpert, und dabei haben wir die mittelalterlichen Lieder gefunden“, erinnert sich Sommer an die 1970er-Jahre: „Bei Brötzmann und wie sie alle heißen, da wäre dieser Gedanke überhaupt nicht aufgekommen. Für uns stand ,free‘ für Freiheit in jede Richtung.“

Zu seinem Konzert im Rahmen der Reihe „European Jazz Legends“ im Theater Gütersloh am 31. Oktober, präsentiert von WDR 3, Jazz in Gütersloh und Jazz thing, bringt Günter „Baby“ Sommer sein Quarteto Trionfale mit Manfred Schoof (Trompete) Gianluigi Trovesi (Bassklarinette und Altsaxofon) und Antonio Borghini (Bass) mit. Zwischendrin wird Sommer auch wieder von Götz Bühler auf der Bühne interviewt. Der Mitschnitt dieses Konzerts wird nicht nur vom Kulturradio des Westdeutschen Rundfunks zu einem späteren Zeitpunkt in der WDR-3-Konzertstrecke gesendet, sondern auch von der Plattenfirma Intuition Records auf CD veröffentlicht. Alle Infos zum nächsten „European Jazz Legends“-Konzert gibt es auf der Website von Jazz in Gütersloh.

Weiterführende Links
Jazz in Gütersloh

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

Foto
Lutz Voigtländer

Veröffentlicht am unter News
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