John Coltrane 'A Love Supreme'John Coltrane ‚A Love Supreme‘Am 9. Dezember 1964 fanden die Aufnahmen zu seinem einflussreichsten Werk, „A Love Supreme“, statt. Eine spirituelle Erleuchtung hätte ihn sieben Jahre zuvor zu einem reicheren, produktiveren Leben geführt, schrieb John Coltrane – dessen Gesundheit durch die damals überwundene Drogen- und Alkoholsucht jedoch schon sehr stark angegriffen war – in den Liner Notes. Im Sommer seines Todes, 1967, sang Aretha Franklin „Respect“ und Coltranes „A Love Supreme“ wurde von jungen Schwarzen mit Afrofrisuren, Dashikis und erhobenen Fäusten ebenso gehört wie auf den Love-Ins der Pazifisten und Hippies. Er brachte „das Feuer, die Leidenschaft, den Zorn, den Ärger, die Rebellion und die Liebe“ zum Ausdruck und wurde „zum Fackelträger des Jazz“; nach seinem Tod, so befand Miles Davis, war allerdings auch die Orientierung futsch. Archie Shepp behauptet gar, dass sich der Jazz vom jähen Tod Coltranes dann nicht mehr erholt hätte.

1965 wurde „A Love Supreme“ veröffentlicht, anlässlich des 50-jährigen Jubiläums ist jetzt eine 3-CD-Edition erschienen. Im Unterschied zur „Deluxe Edition“ von 2002 enthält „A Love Supreme – The Complete Masters“ (Impulse!/Universal) zusätzlich bislang unveröffentlichte Mono-Takes sowie Fehlstarts und Overdubs der legendären Aufnahmen in Rudy van Gelders Studio am 9. Dezember 1964. Van Gelder sagte, Coltrane sei einer der wenigen Menschen gewesen, der bereits vor dem Anhören der Aufnahmen wusste, wann er etwas Gutes gespielt hat. Am 10. Dezember erweiterte Coltrane sein Quartett noch um Shepp (Saxofon) und Art Davis (Bass). Diese in ihrem dringlichen Freiheitswillen unbeirrten Einspielungen sind als kulturhistorische Dokumente ein Riesengewinn.

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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