199 Jahre WagnerDas Konzertprojekt '199 Jahre Wagner' mit Niobe, Angelika Niescier und Maria Jonas

Wahrscheinlich ist die Nähe von Richard Wagners Werk zur improvisierten Musik auf den ersten Blick nicht offenkundig. Doch zum Beispiel in dessen Oper „Tristan und Isolde“ gibt es den so genannten „Tristan-Akkord“, der vergleichbar mit dem im modernen Jazz oft verwendeten, alterierten Dominantakkord leitmotivisch den harmonischen Fortgang offen und vage hält. Dass Wagners oft kontrovers diskutiertes Werk darüber hinaus inspirierend für zeitgenössische Jazzmusiker sein kann, das will die Kölnerin Angelika Niescier mit dem Konzertprojekt „199 Jahre Wagner“zeigen. Die komplexe Frauenfigur Kundry aus der Wagner-Oper „Parsifal“ ist der Ausgangspunkt, von dem aus die Saxofonistin Niescier, die Interpretin für Alte Musik, Maria Jonas, und die Popmusikerin Niobe zeitgenössische, dennoch zeitlose Perspektiven auf das Werk des Komponisten werfen.

„Ich habe zwei weitere Komponistinnen der Jetzt-Zeit eingeladen, sich mit der Figur der Kundry, der komplexesten Frauenfigur Wagners, aus seinem Bühnenweihfestspiel ,Parsifal‘ musikalisch auseinander zu setzen“, erklärt Niescier. „Das Ergebnis ist quasi die ,Entfesselung‘ Wagners. Es entsteht Neues aus der ungewöhnlichen Perspektive der Genre-fremden Komponistinnen. Wagners Werkrezeption wird eine weitere Dimension hinzugefügt. Seine Musik, sein leitmotivisches Gewebe dient als Inspiration zum Experiment.“ Am 25. und 26. November präsentieren Niescier, Jonas und Niobe an drei verschiedenen Orten in Köln ihr jeweiliges Experiment mit Wagners Musik. Begibt sich Jonas in der Kölner Kirche St. Michael auf mittelalterliche Spurensuche bei Crétien De Troyes, Wolfram von Eschenbach und Albert dem jüngeren Titurel, so wird Yvonne Cornelius alias Niobe im Gewölbe in Köln Kundry musikalisch umdeuten, um die Zerissenheit dieser Wagner-Frauenfigur darzustellen. Niescier wiederum will im Stadtgarten mit einem Septett den jazzmusikalisch-improvisatorischen Gehalt von Wagners Vertonung der Kundry erforschen. Sämtliche Infos gibt’s im Netz auf der Site von „199 Jahre Wagner“.

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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