Klarinettist Artie ShawNeue Biografie über Artie ShawAuch wenn er sich schon ein halbes Jahrhundert vor seinem Tod im Dezember 2004 von einer beachtlichen Karriere als Klarinettist und Big-Band-Leiter verabschiedete, ließ ihn die Musik nicht los. Artie Shaw zählte noch vor den Beboppern zu einer Jazzmusikerfraktion, die ihre Sache als seriöse Kunst verstanden wissen wollte. Die Fans, die ihn wegen seines Hits „Begin The Beguine“ (1938) als neuen „King Of Swing“ feierten, hielt er jedenfalls für ebenso verblödet wie die Musikindustrie, die von ihm verlangte, jeden Abend das gleiche Zeug zu spielen und ja keine Musik aufzunehmen, die das junge Tanzpublikum überfordern könnte. Dass er solche Ansichten auch öffentlich und deutlich kundtat, brachte ihm nicht nur Freunde ein.

Der am 23. Mai 1910 in New York als Arthur Jacob Arshawsky geborene Künstler konnte mit dem VIP-Rummel nicht umgehen. Schon kurz nachdem er den ebenfalls weißen Klarinettisten Benny Goodman als Swing-König abgelöst hatte, begann er unter der Popularität zu leiden. Während eines Konzertes im Dezember 1939 wurde die Spannung zwischen den Erwartungen des Publikums und seinem eigenen musikalischen Anspruch für ihn unerträglich – er verließ die Bühne und tauchte in Mexiko unter. 15 Jahre später, nach diversen Comebacks, zog er sich eine Zeitlang nach Spanien zurück und ging täglich fischen. Irgendwann habe der Spaß an der Musik aufgehört und es sei nur noch um Geld gegangen, resümierte Shaw später. Alle seien gierig geworden, auch er, und dann kam noch die Angst hinzu. „Ich habe mich schlecht gefühlt, als ich zur Ware wurde“, sagte Shaw.

„Ich habe alles gemacht, was man mit einer Klarinette machen kann“, versicherte Shaw auch noch 40 Jahre nach dem Ausstieg aus seiner Klarinettistenkarriere, „mehr wäre ein Schritt zurück gewesen“. Beim Verlag W. W. Norton erscheint nun das Buch des Shaw-Biografen Tom Nolan, „Artie Shaw, King Of The Clarinet: His Life And Times“, für das Nolan zwischen 1990 und 2004 zahlreiche Gespräche mit Shaw und dessen Zeitgenossen geführt hat. Es hat 430 Seiten und kostet 12,99 Euro.

Text
Christian Broecking, Stefan Franzen & Martin Laurentius

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