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Cologne Jazzweek 2026

So recht will man es nicht glauben, dass es tatsächlich erst die sechste Ausgabe der Cologne Jazzweek (CJW) ist, die 2026 vom 5. bis 11. September die Stadt Köln bespielen will. Auch wenn man sich das diesjährige Programm vergegenwärtigt, hat man den Eindruck, dass es dieses Festival eigentlich schon viel länger geben muss.

Olga Reznichenko (Foto: Brigita Kasperaite)

Denn auch diesmal holt das Kuratorium um den Posaunisten Janning Trumann rund 50 Acts aus aller Welt nach Köln, die nicht nur im Stadtgarten, Loft oder Club Bahnhof Ehrenfeld auftreten, sondern auch Orte in der Stadt bespielen, in denen ansonsten weder Jazz noch improvisierte Musik zu hören sind. „Ich freue mich auf die sechste Ausgabe der CJW“, sagte Trumann deshalb bei der Vorstellung des Programms, „die mit Sam Gendel und Olga Reznichenko zwei ‚Featured Artists‘ präsentiert, die für einen sehr modernen und zeitgemäßen Klang stehen.“

Anatole Muster (Foto: Valentin Neher)

Diese beiden „Featured Artists“ prägen das Programm der sechsten CJW. Der Kalifornier Sam Gendel, 1987 im kalifornischen Visalia geboren und in Los Angeles aufgewachsen, lässt als Multiinstrumentalist (neben Saxofon spielt er Keyboards, Synthesizer sowie Gitarre und bedient einiges aus dem digitalen Baukasten) „seinen“ Jazz stets unüblich klingen. Mal übersetzt er Jazzstandards wie „Satin Doll“ und „In A Sentimental Mood“ in einen technoiden Kontext, mal transformiert er das digitale Setting von HipHop- und R&B-Tracks in wohlig-analoge Sounds.

Auch die in Berlin lebende Pianistin Olga Reznichenko, 1989 im russischen Taganrog am Asowschen Meer geboren, hat ihren eigenen Blick auf den zeitgenössischen Jazz gefunden. Gleichgültig, ob als Keyboarderin mit Band oder alleine am Klavier, ihre Improvisationsmusik oszilliert gerne zwischen ungeraden Metren und der Ruppigkeit von Punk-Rock und lotet Extreme in Klang, Phrasierung und Tonbildung aus.

Avishai Cohen (Foto: Daniella Feijoo)

Ein weiterer Aspekt der diesjährigen CJW ist die vitale Szene Amsterdams, die sich unter anderen mit dem Gitarristen Teis Semey und dem Trio Perselí um die Bassistin und Sängerin Fuensanta beim Festival vorstellt; zudem wird das mit jungen Kölner/-innen besetzte Composers Collective Cologne für seine „Amsterdam Edition“ Musiker/-innen aus dieser Hafenstadt einladen – etwa den Bassisten Alessandro Fongaro und die Drummerin Sun-Mi Hong.

Ein anderer Schwerpunkt wird auf nicht alltägliche Instrumentierungen im Jazz gelegt. So präsentiert der in London lebende Anatole Muster das Akkordeon im Rahmen der Clubnacht in Ehrenfeld, während die Harfe durch Beiträge von Kathrin Pechlof sowie innerhalb der Kompositionen von Damian Dalla Torre eine erweiterte Perspektive auf ihre Möglichkeiten als Instrument erfährt.

Die CJW setzt auch auf neue Programme und Begegnungen. So führt Saxofonistin Luise Volkmann mit ihrem genreübergreifenden Ensemble Folk Stories ihre Auftragskomposition auf, während sich in sechs Konzerten das ganz neue Kollektiv KROM mit Musiker/-innen aus Köln, Zürich und Tallinn vorstellt, unter anderen mit Felix Hauptmann, Tizia Zimmermann und Kirke Karja.

GEORGE (Foto: TJ Huff)

Gleich am Eröffnungsabend wird mit Ursprung fi auch ein neues und hippes Venue in den CJW-Kosmos integriert – mit Konzerten der afroamerikanischen Vokalistin keiyaA und des Duos Anushka Chkeidze und Peter Evans. Der israelische Trompeter Avishai Cohen entert wiederum mit seinem Big-Vicious-Ensemble die Bühne der Philharmonie.

Natürlich gibt es auch wieder Großformatiges zu hören – zum Beispiel das Bundesjazzorchester mit Yessaï Karapetian, das Subway Jazz Orchestra mit Sam Amidon und das New Rotterdam Jazz Orchestra mit Lucy Woodward –, und ungewöhnliche Klangwelten zu erleben – wie etwa von Matthias Muche und seinem Posaunenensemble Bonecrusher, John Hollenbecks GEORGE oder Big Breezy & The Toxic Twinz. „Mit dem 40-jährigen Jubiläum des Stadtgartens und der European Jazz Conference bündeln sich mit der CJW in diesem Jahr gleich drei besondere Ereignisse“, ist Trumann überzeugt. „Köln unterstreicht damit einmal mehr seine Bedeutung als lebendige Jazzstadt.“

Alle Infos und das komplette Programm sind online auf jazzweek.de versammelt.

Foto
Brigita Kasperaite, Valentin Neher, Daniella Feijoo, TJ Huff

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